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Kennzahlen: Supply Chain Operations Value – der Gold-Index der Logistik


SCM

Logistikwissenschaftler haben den neuen Index „SCOV“ (Supply Chain Operations Value) entwickelt. Der SCOV-Wert macht den Zusammenhang zwischen Input (Kosten) und Output (Logistik­performance) sichtbar.

Logistik wird leider oft lediglich als Supportfunktion oder Kostentreiber gesehen. Weshalb sich die Frage erhebt: Wie kann man Rolle und Bedeutung, Wertbeitrag und Leistung der Logistik so messen, dass sie jeder Verantwortliche im Management aus anderen betrieblichen Funktionen auf den ersten Blick versteht?
Das ist seit Jahren eine der spannendsten Fragen in Wissenschaft und Praxis. Denn mit den üblichen Kennziffern kommt man nicht weit, weil sie nur Teilaspekte der Logistik illustrieren. Der neue Index der Logistik gibt ein komplettes Leistungsbild ab und setzt zudem die Performance der Logistik ins Verhältnis zu deren Kosten. In Praxiskreisen wird dieser neue Index, der Supply Chain Operations Value oder kurz SCOV, bereits als Gold-Index der Logistik gehandelt.
Der neue SCOV-Index erfasst sämtliche Dimensionen der Supply Chain Performance nach dem bekannten Muster: Plan – Source – Deliver – Return. Das Unternehmen sieht am Ende sofort: „Unser SCOV liegt derzeit bei 110 Prozent. Also haben wir uns gegenüber dem letzten Jahr um zehn Prozent verbessert.“ Läge der aktuelle Wert unter 100 Prozent, wüssten die Verantwortlichen: Wir haben uns verschlechtert. Genauer: Das Verhältnis von Performance zu Kosten hat sich verschlechtert. Denn es kommt immer auf die Leistung im Vergleich zum eingesetzten Aufwand an.
Der SCOV bietet unter anderem auch eine der umfassendsten Benchmarking-Datenbanken. Mit einem Griff in diese Datenbank können Logistikverantwortliche – und ihre Management-Kollegen – erfahren, wie gut die Logistikleistung des eigenen Unternehmens im Vergleich zu brancheneigenen und branchenfremden Firmen ist. Wenn sich bei der SCOV-Ermittlung zum Beispiel herausstellt: Ein Unternehmen hat eine Liefertreue von 97,5 Prozent – ist das dann gut oder schlecht? Das hängt davon ab, wie viel andere Unternehmen in der eigenen Branche oder in anderen Industrien schaffen. Genau das verrät das Benchmarking.
Der neue Gold-Index zeigt nicht nur, wie gut die Logistik eines Unternehmens ist – absolut und im Vergleich zu anderen, zum Durchschnitt, zur Branche. Er zeigt vor allem, wie reif die Supply Chain eines Unternehmens ist. Im SCOV steckt ein wissenschaftlich fundiertes Modell der Reifegradentwicklung der Logistik. In dieses Modell sind bereits heiß diskutierte Themen wie die Digitalisierung, Indus­trie 4.0 und Predictive Analytics eingearbeitet. Dank des Reifegradmodells zeigt der SCOV auf diese Weise den Weg in eine noch bessere Zukunft auf.

Kunde weist die Richtung

Der Index wurde nicht allein im Forschungslabor entwickelt, sondern vielmehr auch auf Basis zahlreicher Tiefeninterviews mit Praktikern der Logistik quer durch alle Branchen. Der SCOV weist auch maßgeblich darauf hin, dass die Logistik eines Unternehmens nicht unbedingt in allen Leistungsaspekten die beste sein muss, sondern dort, wo es darauf ankommt. Bestleistung, die vom Markt nicht honoriert wird, ist geradezu ruinös: Sie führt zu Verlusten! Bestleistung ist nur dort sinnvoll, wo sie sich rentiert. Wo ist das? Das weiß ein Experte: der Kunde. Deshalb bietet der SCOV auch eine wissenschaftlich fundierte Kundenbefragung zur erwarteten logistischen Leistung an.
Logistikverantwortliche sollen sich im Anschluss an diese Befragung sicher sein: Wir investieren (künftig) wertvolle Zeit, Aufmerksamkeit, Manpower, Budget und Ressourcen schwerpunktmäßig und ausschließlich dort, wo es der Kunde am meisten honoriert und es sich daher fürs Unternehmen am stärksten rentiert.
Die Einführung des Supply Chain Operations Value ist zudem skalierbar. Wer gerade anderweitig schwer eingespannt ist und daher wenig Zeit und Aufmerksamkeit erübrigen kann, kann eine Lean-Version des SCOV implementieren. Eine reine Messung des SCOV-Wertes auf Basis grundlegender Interviews mit den verantwortlichen Supply Chain Managern im Unternehmen ist in circa zwei Wochen über die Bühne (je nach Größe des Unternehmens und Komplexität seiner Supply Chain). Eine umfassendere Indexbildung dauert, ebenfalls entsprechend der Größe von Unternehmen und Logistik, länger. Vor allem dann, wenn eine Kundenumfrage gewünscht ist.

Praxiserfahrung bei Siemens
Als der SCOV unlängst bei Siemens Building Technologies eingeführt wurde, dauerte es natürlich etwas länger – angesichts der Größe des Konzerns und seines weltweit stark verzweigten Liefernetzwerkes. Viele Siemens-Praktiker, die seither mit dem SCOV arbeiten, melden zurück: „Seit wir den Gold-Index haben, können wir nicht nur ganz genau für alle Außenstehenden zuverlässig messen und dokumentieren, wie gut wir sind. Sondern mit dem Reifegradmodell zeigt uns der Index auch punktgenau Potenziale auf, wo wir mit Gewinn noch besser werden können.“ Aus diesen Potenzialen leitet der Praktiker dann konkrete Maßnahmen ab, mit denen diese Verbesserungspotenziale realisiert werden können, damit die Logistik noch leistungsstärker wird und ihren Mehrwert noch deutlicher demonstriert. mp

Autoren: Prof. Dr. Evi Hartmann, Inhaberin des Lehrstuhls für Supply Chain Management an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, und Jürgen Kindereit, operativer Geschäftsführer der SCOV UG (haftungsbeschränkt) in Gründung, München.

Fünf Grundsätze der Performance-Messung
1. Leistung alleine zu messen ist nicht ausreichend. Es kommt darauf an, das richtige Gleichgewicht zwischen Logistikperformance und den verbundenen Kosten zu finden.
2. Es ist nicht notwendig, in jeder Kategorie der Beste zu sein. Viel wichtiger ist es, sich auf die Leistungsaspekte zu konzentrieren, die der Kunde am meisten honoriert.
3. Kennzahlenvergleiche sind aufschlussreich. Sie erzählen aber nicht die gesamte Geschichte. Der Blick hinter die Kulissen ist der Schlüssel zum Erfolg.
4. Benchmarking ist immer mit einer gewissen Unschärfe verbunden. Hiervon sollte man sich nicht abhalten lassen. Zudem sollte man Reifegradmodelle nutzen, um ein ganzheitliches Bild zu bekommen.
5. Benchmarking sollte nicht ausschließlich innerhalb der eigenen Branche stattfinden. Gerade der Blick über den Tellerrand hinaus ist besonders aufschlussreich.

Quelle: Hartmann



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