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Rückschau auf die Vision-Days 2017: Digitalisierung, Flexibilität, Agilität


KONGRESS

Kongress Auf den Vision-Days 2017 in ­München tauschten sich 200 Logistik- und SCM-Verantwortliche über Umsetzungsstrategien für die digitalisierten ­Lieferketten der Zukunft aus. Eine entscheidende Rolle kommt der ­Mitarbeiterführung zu.

Die Wertschöpfungsketten in Richtung Industrie 4.0 weiterzuentwickeln ist nicht nur eine Frage der Technik, sondern vor allem auch eine Frage der Führung. So lautet eine Kernbotschaft von den Vision-Days 2017, die mit 200 Teilnehmern am 15. und 16. Februar im Haus der Bayerischen Wirtschaft in München stattfanden.
Der Veranstalter, das Management- und IT-Beratungsunternehmen Wassermann AG, überschrieb die 27. Auflage des SCM-Fachkongresses mit den Schlag­wörtern „Digitalisierung, Flexibilität, Agilität“. Die Vision-Days setzten sich wie in den Vorjahren aus einem Workshoptag und dem folgenden Kongresstag zusammen. Am Kongresstag lud Wassermann im Namen von Vorstand Martin Hofer die Teilnehmer ein, sich nicht vom Glanze neuer Techniken blenden zu lassen. Vielmehr berichteten Logistik- und SCM-Führungskräfte aus Industrieunternehmen über ihre Erfahrungen mit den vielen kleinen Schritten, derer es auf dem Weg zu Industrie 4.0 bedarf.

So schilderte Christian Kleebauer, Area Manager Zentral- und Osteuropa bei der Rosenbauer International AG, wie der Feuerwehrausstatter im oberösterreichischen Werk Leonding II trotz hoher Variantenvielfalt eine getaktete Linienfertigung aufgebaut hat. Dort produziert Rosenbauer das Kommunallöschfahrzeug „AT“ und das Flughafenlöschfahrzeug „Panther“. Die Fahrzeuge und Aufbauten werden auf Schienen automatisch von einer Station zur nächsten weiterbewegt. Die Materialversorgung erfolgt nach dem Kanban- beziehungsweise Pull-Prinzip.
Beim Aufbau des neuen Werks sei ein Umdenken erforderlich gewesen. Rosenbauer habe die Montage- und Produktionsabläufe auf eine prozessorientierte Fertigung ausgerichtet und sich sehr intensiv mit Lean Management auseinandergesetzt, berichtete Kleebauer in seinem Vortrag. Der Panther zum Beispiel, von dem jeder Kunde sein individuelles Exemplar bekommt, sei ursprünglich von einem Team in Standplatzmontage gefertigt worden. Die heutige Montage im Werk II umfasst vier Stationen fürs Chassis und sechs Stationen für den Aufbau. 

Montagecockpit als Werkzeug

Als einen „unserer Schritte“ zur sogenannten Industrie 4.0 im Werk für AT und Panther nannte Kleebauer das „Montagecockpit“ – das operative Werkzeug für den Monteur zur schnellen, papierlosen Informationsbeschaffung. Über das Display werden dem Mitarbeiter ausschließlich die für den Auftrag relevanten Angaben angezeigt. Das Montagecockpit werde sehr gut angenommen. Es gehe darum, die Mitarbeiter auf allen Ebenen zu fördern und zu fordern, machte Kleebauer deutlich.
Mit „Logistik 4.0 in der Automobil­indus­trie“ befasste sich Hermann Dechantsreiter, Leiter Strategie, Strukturintegration und Logistik im BMW Group Werk Landshut. Das mehr als 4.000 Mitarbeiter starke Komponentenwerk in Niederbayern ist ein zentraler interner Lieferant für die Fahrzeug- und Motorenstandorte. Dechantsreiter erläuterte, dass der Automobilhersteller als Grundlage für die Entwicklung eines „Logistik-4.0-Zielbildes“ ein Reifegrad-Assessment genutzt habe. Nicht jede Industrie-4.0-Anwendung hilft: Daher gelte es diejenigen Cluster zu identifizieren, mit deren Weiterentwicklung aktuelle und künftige Herausforderungen bewältigt werden.

Von autonomen Transporten mit fahrerlosen Systemen, vollständiger Datentransparenz in der Lieferkette bis hin zum Einsatz von Augmented-Reality-Brillen beim Sortieren von Bauteilen – die Handlungs­felder zu Logistik 4.0 in der BMW Group sind vielfältig (siehe auch Titelgeschichte in LOGISTIK HEUTE 1-2/2017). Dechantsreiter machte deutlich, dass die Verbindung von Lean-Prinzipien mit Ansätzen und Methoden der Industrie 4.0 die Prozessexzellenz steigere. Transport und Handling seien wesentliche Kostentreiber in der physischen Logistik und somit „zentrale Stellhebel für Effizienzen“, sagte der Logistikverantwortliche für das Werk Landshut. Als Beispiele für Anwendungsfälle, die für den niederbayerischen Standort interessant sind, nannte er unter anderem ein autonomes System für standardisierte Transporte, ein Staplerleitsystem sowie den Einsatz von Elektro-Lkw, die dabei helfen, Versorgungsprozesse nachhaltig zu gestalten.

Dechantsreiter erläuterte auf den Vision-Days auch, dass traditionelle Konzerne neue Potenziale generieren können, indem sie sich an Denkansätzen von Start-ups orientieren, ohne aber diese zu kopieren. Der Mensch sei Gestalter in Zeiten von Industrie 4.0. Es ist aus seiner Sicht daher nicht nur wichtig, richtige Maßnahmen zu ergreifen, sondern auch neue Denkweisen zu fördern. Industrie 4.0 funktioniere nicht, ohne die Mitarbeiter zu gewinnen, sagte Dechantsreiter.

Über die „End2End-Optimierung der Distributionslogistik im Produktgeschäft“ berichtete Siegfried Hermann, Director Supply Chain Management in der Siemens-Geschäftseinheit Digital Factory Control Products. Der Logistikfachmann erläuterte auf dem Kongress, wie sein Unternehmen mit Unterstützung von „Columbus“, der Wassermann-Web-Plattform zur Simulation von Warenflüssen in weltweiten Netzwerken, die Distributionslogistik für Artikel wie Leistungsschalter optimiert. Hermann zeigte an einem Beispiel zum US-Markt auf, dass es gilt, Kunden-Direktbelieferung vom Distributionszentrum Amberg aus mit lokalen Bevorratungsstrategien intelligent zu kombinieren.

Dr. Christian Büssow, Head of Global SCM bei Knorr-Bremse Systeme für Nutzfahr­zeuge, betonte in Sachen Supply-Chain-Strategie mit Ausrichtung auf Industrie 4.0, wie wichtig die gesamtheitliche Betrachtung von Organisation, Prozess und IT sei. Digitalisierung sei keine Option, sondern „ein strategischer Imperativ“, sagte Büssow. Es sei besser einfach anzufangen, als zu lange zu planen und zu warten. Er betonte auch, dass es – „Schritt um Schritt“ – um einen Change-Management-Prozess gehe und appellierte an die Teilnehmer, in Projekten „Leuchttürme zu bauen“.
Zu den nächsten Vision-Days lädt die Wassermann AG am 21. und 22. Februar 2018 erneut in die bayerische Landeshauptstadt ein.

Aus München berichtet Matthias Pieringer.
 



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