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CHEMonitor 2017 – Wie sicher sind die globalen Lieferketten?


STUDIE

Protektionismus und geopolitische Entwicklungen haben Einfluss auf die Liefer­ketten der deutschen Chemieindustrie. Wer sich als neuer Handelspartner anbietet.

Wahl in den USA, multiple Krisenherde im Nahen Osten und der nahende Brexit: Die geopolitischen Veränderungen des vergangenen Jahres zeigen erste Auswirkungen auf deutsche Wirtschaftszweige und Branchen.

Wie aus dem „CHEMonitor 2017“, einer Umfrage des Beratungsunternehmens Camelot unter 200 deutschen Chemiemanagern, hervorgeht, ist man insbesondere in diesem Wirtschaftszweig um die Sicherheit der globalen Lieferketten besorgt.

So gelten Protektionismus mit 51 Prozent und geopolitische Krisen mit 45 Prozent unter den Befragten als die beiden Entwicklungen mit der größten Auswirkung auf die unternehmenseigene Supply Chain in den kommenden zwei Jahren. Erst danach folgen Faktoren wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und die Entwicklung des Ölpreises.

Insbesondere das politische Klima in den USA sei dabei Sorgenkind Nummer eins. Wie die Erhebung zeigt, sieht ein Großteil der befragten Chemiemanager im Protektionismus Donald Trumps eine Bedrohung der eigenen Exportaktivitäten.

So gehen rund 78 Prozent der Studienteilnehmer davon aus, dass der Export über den großen Teich sich zumindest kurzfristig deutlich verschlechtert.

49 Prozent sind zudem der Meinung, dass auch der Import unter Schutzzöllen, Sicherheitszäunen & Co. leiden wird. Eine baldige Verbesserung der Situation sehen hingegen lediglich fünf Prozent der Befragten.

Wie sehr sich diese Bewertung an der Politik Trumps festmachen lässt, zeigt auch die Tatsache, dass der Handel mit dem Rest Nordamerikas, ohne Einbezug der USA, sehr viel positiver bewertet wird als mit den Vereinigten Staaten allein. So gehen lediglich sieben Prozent der Befragten davon aus, dass sich die Lieferkettenbedingungen in diesem Bereich verschlechtern werden.

Asien profitiert

Gewinner dieser Entwicklung könnte nach Camelot-Angaben vor allem der asiatische Chemiemarkt sein. Diesen sehen die Studienteilnehmer als aussichtsreichsten Kandidaten für künftigen Handel. Fast jeder Dritte erwartet hier eine positive Entwicklung in Bezug auf Import und Export sowie die Gestaltung der Supply Chains.

Eine positive Tendenz für die Branche, die Dr. Henrik Meincke, Chefvolkswirt des Verbands der Deutschen Chemieindustrie auch in konjunkturellen Bedingungen begründet sieht:

„Trotz steigender Produktion kann China seinen hohen Bedarf an chemischen Produkten nicht decken und ist Nettoimporteur von Chemikalien. Das Handelsbilanzdefizit Chinas mit Chemikalien fiel mit einem Minus von knapp 60 Milliarden Euro zuletzt deutlich negativ aus.“

Abseits geopolitischer Krisenherde beschäftigt sich die deutsche Chemie­industrie auch daheim mit der Optimierung von Supply Chain Management und Logistik.

So sieht mit rund 80 Prozent ein Großteil der befragten Manager in der Nutzung digitaler Technologien einen erfolgskritischen und wesentlichen Faktor für eine verbesserte Logistikstrategie. Damit liegt dieser Unternehmensbereich noch vor „Forschung und Entwicklung“, „Marketing“ sowie „Produktion“.

Vorreiter sind hier laut CHEMonitor vor allem die Mittelständler. Rund 62 Prozent der befragten Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern setzten vorhandene digitale Technologien bereits ein, 14 Prozent sehen sich sogar als Innovatoren in diesem Bereich.

Bei den großen Konzernen zählen hingegen lediglich 25 Prozent zu den Anwendern, dafür kategorisieren sich rund 38 Prozent als Digital-Innovatoren. Dementsprechend planen deutsche Chemieunternehmen, in den relevanten Bereichen Ressourcen aufzubauen.

Wie die Befragung ergab, sollen 52 Prozent der Investitionen in den Sektor Informationstechnologie fließen, immerhin rund 30 Prozent werden für die Verbesserung von Logistik und Supply Chain Management verwendet.
Sandra Lehmann
 



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