| LOGISTIK HEUTE-Magazin Nr.3 / 2016

Kontrollen: Globalisierter Handel braucht offene Grenzen


Handelsunternehmen und Logistiker sehen sich bereits jetzt mit immensen Herausforderungen durch die vorläufig wieder eingeführten Kontrollen an deutschen Binnengrenzen konfrontiert. Die längeren Wartezeiten von derzeit rund zwei Stunden haben zahlreiche Auswirkungen innerhalb der Lieferkette. Angefangen bei den Lenk- und Ruhezeiten der Fahrer über erhebliche Probleme bei Just-in-Time-Lieferungen mit engen Zeitfenstern bei Kunden bis hin zu Ankündigungen steigender Frachtraten. Ausweichrouten sind nur teilweise vorhanden und bedeuten oftmals einen höheren Aufwand. Andere Verkehrsträger als potenzielle Ausweichmöglichkeit stehen nur unzureichend zur Verfügung. Daneben herrscht auch große Unsicherheit und Sorge vor überbordender Bürokratie.


Rund 70 Prozent des deutschen Warenhandels mit dem Ausland werden innerhalb Europas abgewickelt. Die deutsche Wirtschaft transportiert jedes Jahr Waren im Wert von 1.200 Milliarden Euro über die Schengen-Grenzen. Eine aktuelle Studie hat errechnet, dass eine Abkehr vom Schengen-Abkommen allein für Deutschland bis 2025 Wachstumsverluste von mindestens 77 und bis zu 235 Milliarden Euro bedeuteten. Gegenstimmen, die anführen, dass Deutschland Exportweltmeister geworden sei, als es noch Grenzkontrollen gegeben hat, treffen den Kern nicht. Die Liefer- und Logistikketten haben sich in einer zunehmend globalisierten Welt dramatisch verändert.


Deutschland, dessen Unternehmen und Produkte auf der ganzen Welt präsent sind, braucht offene Grenzen und profitiert davon in besonderem Maße. Die Flüchtlingskrise kann nur auf Basis einer gemeinsamen europäischen Lösung bewältigt werden. „Wir Europäer schaffen das!“ wäre ein vielleicht treffenderer Satz gewesen, der in einem von nationalistischen Tendenzen geprägten Europa dringend notwendig wäre.



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