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Neue Seidenstraße: Geteilte Meinungen

Riesenprojekt stößt bei Politik und asiatischer Wirtschaft auf geteiltes Echo


Das auf Betreiben Chinas angeschobene Rieseninfrastrukturprojekt „neue Seidenstraße“ stößt bei Politikern, Wissenschaftlern und Logistikunternehmen auf geteiltes Echo. Das war Tenor mehrerer Diskussionsforen auf der Asian Logistics and Maritime Conference, die Ende 2015 rund 2.000 Teilnehmer in Hongkong besuchten.

65 Ländern involviert

Hintergrund: Bereits 2013 hielt Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping in Kasachstan eine Rede über das im Englischen als „One Belt, One Road“ bezeichnete Projekt. China wolle mit dem Vorhaben unter anderem die Zusammenarbeit mit eurasischen Ländern intensivieren, sagte Xi. Konkret sollen 65 Länder und 4,4 Milliarden Menschen zusammengebracht werden. Neben Zug- und Straßenverbindungen von China bis Westeuropa geht es auch um eine maritime Route, die vom Reich der Mitte über Ostafrika bis an die Nordsee geht. Bereits heute verkehren beispielsweise mehrere Züge wöchentlich zwischen Duisburg und chinesischen Städten.

Gute Geschäfte

Einige Logistikdienstleister aus Asien versprechen sich gute Geschäfte aus dem Projekt. Von „jeder Menge Potenzial für die Logistik“ spricht Eric Ip, Executive Director bei Hutchison Port Holdings Management Pte. Ltd. Zhao Huxiang, Kopf des Logistikdienstleisters Sinotrans, betont, dass sein Unternehmen schon etliche Büros entlang der gesamten Seidenstraße eröffnet habe. Und George Yeo, Chef von 20.000 Mitarbeitern von Kerry Logistics aus Hongkong, hofft unter anderem auf gute Geschäfte in Kasachstan: „Dass die politische Lage dort ruhig geworden ist, muss man als Erfolg der Diplomatie werten“, sagt Yeo. Dass das Projekt kein Spaziergang wird, dessen ist sich Manager Yeo aber bewusst. „Peking und Hongkong müssen die Kulturen in Indien und Südostasien verstehen. Das ist schwierig.“ Gleichzeitig sieht er die Zollvorschriften und -prozedere zwischen China und Zentralasien als große Hürde.

Unterschiedliche Länder

Noch einen Schritt weiter in seiner Kritik geht Dr. Thomas Chan von der Hong Kong Polytechnic University. Mehrere Punkte führt der Wissenschaftler an: 1. Die neue Seidenstraße sollte als globales Projekt und nicht als Vorhaben von 65 Ländern gesehen werden. 2. Die beteiligten Länder befinden sich in sehr unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Hongkong und Singapur sind Innovatoren, Indien oder Tadschikistan aber in bestimmten Bereichen noch nicht besonders gut entwickelt. 3. Eine neue Freihandelszone in Ostafrika würde zwar 625 Millionen Menschen umfassen. Dort würden aber nur zwei Prozent des Welthandels abgewickelt werden.

Geostrategisches Kalkül

Einige Politiker aus Indien und Russland kritisierten bereits das Projekt scharf. Ihr Tenor: Es gehe China nicht nur um bessere Handelsrouten zwischen Asien und Europa, sondern um geostrategisches Kalkül. Zudem sei ungeklärt, was die genauen Ziele sind, wer wie profitiere und wie die nächsten Schritte aussehen. Hintergrundinfos zum Verlauf der neuen Seidenstraße, den Finanzierungsoptionen und der Rolle, die Hongkong bei dem Projekt einnehmen könnte, erfahren Sie in der Titelgeschichte des Februar-Hefts von LOGISTIK HEUTE, das am 19. Februar erschienen ist.


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