Vision-Days 2016: Die Smart Factory ist nicht zu bestellen

Experten sprechen über SCM und Industrie-4.0-Ansätze.


Die intelligente Fabrik kann man nicht auf Knopfdruck erschaffen und es gibt auch keine allgemeingültige Anleitung für den Weg zu Industrie 4.0. Dies wurde auf den Vision-Days 2016 deutlich, die am 17. und 18. Februar in München stattfanden.

Die 26. Auflage des Fachkongresses für Supply Chain Management stellte der Veranstalter, der Münchener Management- und IT-Berater Wassermann AG, unter das Motto: Smart Logistics, Smart Factory, Smart SCM. Wie in den Vorjahren bestanden die Vision-Days aus einem Workshop-Tag und dem anschließenden Kongresstag. Die Vorträge auf dem Kongresstag zeigten Projektbeispiele von Unternehmen, die sich mit Industrie-4.0-Ansätzen und intelligenter IT-Unterstützung beschäftigen.

Transparenz in der Lieferkette

Johann Gerl, für die Versorgungssicherung der In- und Auslandswerke der BMW Group zuständig, sprach über „Transparenz in der Supply Chain“. Er erläuterte, dass ein hohes Maß an Transparenz in der Lieferkette „die Basis für eine effiziente und effektive operative Steuerung sowie die taktische Planung bildet“. Der BMW-Experte zeigte am Beispiel des Übersee-Versorgungsnetzwerkes, dass es gelte, „Transparenz zusammenzubringen“, nämlich was Lieferanten, Packbetriebe, Logistikdienstleister und Fahrzeugwerke betrifft. Zudem berichtete er über das Monitoring der Versorgungssicherung. Das Monitoring aus Werkssicht etwa bedeute, Fehlteile, Falschlieferungen und Sonderfahrten im Blick zu haben. Beim Einsatz von Big-Data-Technologien setze man, so Gerl, den Fokus auf strukturierte Daten. Wichtig sei eine visuelle Analytik-Software.

Klarheit über Terminsituation

Über die Echtzeitplanung von kundenindividuellen Werkzeugbauprojekten sprach Norbert Scheid, Geschäftsführer der Otto Männer GmbH. Der Chef des Industrieunternehmens gab zu: „Wir sind bekannt für gute Qualität, waren aber auch bekannt dafür, unpünktlich zu sein.“ Scheid schilderte, wie Otto Männer die „WayRTS“-Lösung von Wassermann einführte und ging auch darauf ein, wie Organisation und Abläufe angepasst wurden. Als positive Ergebnisse nannte der Unternehmenslenker zum Beispiel die Klarheit über die Terminsituation und die Rückstandsverringerung. Außerdem hob er die „verlässliche Kommunikation zum Kunden“ hervor.

Roadmap wichtig

Im Mittelpunkt des Vortrags von Jens Hittmeyer, Vice President Corporate IT bei der Aenova Holding GmbH, stand die Transformation des Produktionsnetzwerkes. Die heterogene Systemlandschaft der Aenova Group, Auftragshersteller für die Pharmaindustrie, als „Erbe“ der Merger&Acquisitions-Aktivitäten verlange den gezielten Einsatz von Best-of-Breed-Lösungen, so Hittmeyer. Der Auftragshersteller arbeite an einem ganzheitlichen Planungsansatz für die Werke, mit dem Ziel ein hohes Maß an Transparenz und Reaktionsfähigkeit bei veränderten Bedingungen zu erreichen. Voraussetzungen für den Erfolg sind Hittmeyers Ansicht nach „eine klare Roadmap“ und eine „strikte Governance“. Man sei gut vorangekommen und arbeite weiter „an der Umsetzung unserer Vision“.

Industrie 4.0 und Mittelstand

Horst Maywald, Geschäftsbereichsleiter Arbeitsplatzsysteme bei der Elabo GmbH, referierte über die praxisnahe Umsetzung von Industrie-4.0-Prinzipien im Mittelstand. Der Experte provozierte mit der Frage, wofür eigentlich „4.0“ stehe: für fehlende Standards und Normen, mangelhafte Datensicherheit, fehlende Finanzmittel oder nicht vorhandene Praxisbeispiele? Letzteren Punkt entkräftete Maywald mit der „Smart Factory“ seines Unternehmens im baden-württembergischen Crailsheim. In dem „Schaufenster für Industrie 4.0“, das für Kundenbesuche offensteht, gibt es beispielsweise den „intelligenten“ Tisch zu sehen, der RFID-gesteuert die Arbeitshöhe automatisch an die Bedürfnisse des jeweiligen Mitarbeiters anpasst.

Die nächsten Vision-Days werden von der Wassermann AG am 15. und 16. Februar 2017 in München veranstaltet.


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