Update: Umfrage-Ergebnisse "Nutzung von Social Media Marketing in der Logistik"
Heute schon getwittert?
Social Media Marketing stellt Experten aus der Logistikwelt, die sich mit diesem aktuellen Thema auseinandersetzen, vor Herausforderungen. Eine Umfrage ermittelte den Stand von Social Media in der Logistik.
Was ist Social Media und für welche Unternehmensbereiche lässt sich das Potenzial, die direkte Kommunikation und Interaktion mit den Kunden richtig nutzen? Welche Trends werden in der Praxis schon angewandt? Während noch über die Möglichkeiten und Ziele von Social Media diskutiert wird, steigen die Nutzerzahlen dieser Dienste immer weiter an.

Ein paar Zahlen: 2010 waren bereits über 30 Mio. Deutsche in Internet-Communities aktiv, Twitter hatte 350.000 deutschsprachige aktive Accounts. Auch Facebook verzeichnete im November 2010 schon über 13 Mio. aktive Nutzer in Deutschland – Tendenz weiter steigend. Diese Zahlen sprechen eine deutliche Sprache, besonders, wenn man berücksichtigt, dass alle Werkzeuge nicht älter als sechs Jahre sind.
Prof. Dr. Peter Kruse, Geschäftsführender Gesellschafter der Nextpractice GmbH und viel beachteter Referent auch auf dem letztjährigen Deutschen Logistik-Kongress, spricht von einer „Revolution 2.0“, da die Netzwerkkultur die Gesellschaft grundlegend verändere. Die „Mobilisierung, Vernetzung und Beteiligung“ der Massen, die sich im heutigen Informationsüberfluss und der damit steigenden Komplexität zurechtfinden müssten, führe dazu, dass Menschen soziale Netzwerke verstärkt zur Entscheidungsunterstützung nutzten, so Kruse. Dieses sogenannte Empfehlungsmarketing und der damit verbundene Social-Media-Boom fordert auch Logistikdienstleister sowie Industrie und Handel zu einem Umdenken in Sachen Kommunikation auf. Vijay Iyer, Manager Social Media bei Opel / Vauxhall Communications, stellte etwa im Rahmen des Social Media Club München im November 2010 vor, wie der Automobilkonzern Social Media für sein Customer-Relationship-Management (CRM) einsetzt: „Für die Kundenkommunikation bietet unser Unternehmen Dialogangebote via Facebook, Weblog und Twitter an.“
Auch andere Unternehmen wie DATEV, Microsoft Deutschland oder die Deutsche Telekom nutzen Social Media in unterschiedlicher Weise, um Online-
Reputation aufzubauen oder Vertrieb und Service zu unterstützen. Anfang 2010 launchte beispielsweise die Telekom das Programm „Telekom hilft“ auf Twitter.
Einschätzung der Logistiker
Wie verbreitet Social Media in der Logistikwelt heute schon ist, ermittelten LOGISTIK HEUTE und die Kommunikations-Agentur teamtosse mittels einer Trendumfrage unter Lesern von LOGISTIK HEUTE und Besuchern des Deutschen Logistik-Kongresses 2010 in Berlin.
Das Ergebnis: Unter den Befragten hält sich die Einschätzung der Bedeutung von Social Media in der Logistik noch die Waage. 47 Prozent gaben an, dass Social Media weniger wichtig oder unwichtig sei, wohingegen 53 Prozent den neuen Kanal als wichtig oder sogar sehr wichtig ansehen. Fast die Hälfte der Teilnehmer setzen erste Social-Media-Projekte bereits in einer Testphase ein. Der Trend scheint also in der Logistik
angekommen zu sein. Andererseits hat sich die Nutzung noch nicht wirklich etabliert, denn immerhin 35 Prozent verwenden überhaupt noch keine Social-Media-Tools. Am prädestiniertesten für deren Einsatz ist der Bereich der Kommunikation und PR, wie 85 Prozent angaben. Vor allem die Businessnetzwerke Xing und LinkedIn sind unter Logistikern beliebt, wie Johannes Riege, Geschäftsführer von Riege Software International, Anbieter von Softwarelösungen für die Luft- und Seefrachtabwicklung, Bodenabfertigung sowie Zollanwendungen, bestätigt: „Über LinkedIn und Xing bleibe ich mit internationalen Geschäftspartnern und Kunden regelmäßig in Kontakt. Neue und alte Kontakte lassen sich so leicht pflegen.“ Auch YouTube, Twitter und Facebook werden neben Blogs und Fachforen bereits in der Logistikwelt eingesetzt.
Messe mit Twitterwall
Ein anderes Beispiel: Für die transport logistic 2011, die vom 10. bis 13. Mai in München stattfinden wird, nutzt der Veranstalter Messe München erstmals auch Social Media. Im Februar wird eine Präsenz bei Facebook live geschaltet und während der Messe können Besucher Tweets absetzen, die online auf einer Twitterwall auf der Messe-Webadresse auflaufen. „Wir sehen die wachsende Bedeutung von Social Media
auch in der Logistik- und Transportwelt. Deshalb gehen wir dahin, wo auch unsere Kunden sind und bieten ihnen sowohl nützliche Informationen als auch den interaktiven Austausch mit uns als Messeveranstalter“, erläutert Eugen Egetenmeir, Geschäftsführer der Messe München, die Strategie in den neuen Medien. „Wir verstehen das als wichtige Ergänzung unseres analogen Marketing-Mixes.“
Auf die Frage, welchen Stellenwert die einzelnen klassischen und modernen Kommunikationskanäle einnehmen, ergab sich, dass die Top drei für die heutige Kommunikationsarbeit im Logistikbereich Messen/Events, Internetportale und Websites sowie Fachzeitschriften sind. Soziale Netzwerke, Foren und Blogs sind am wenigsten wichtig, ihre Bedeutung legt nach Einschätzung der Befragten in fünf Jahren jedoch deutlich zu (s. Abb. li.).
Honorarprofessor Kruse ist sich indes sicher, dass diese Systeme eine so große Dynamik entfalten werden, dass Unternehmen es sich nicht leisten könnten, sich dem Trend zu verschließen. Nur Logistikunternehmen, die sich auf die Netzwerkbildung einlassen, als aktive Mitspieler an der Netzwerkdynamik des Web 2.0 teilnehmen, können sich auch am Diskurs beteiligen. Gleichzeitig erwartet Kruse für die Zukunft eine „Rückkehr des qualitativen Journalismus“, denn das Verstehen von Zusammenhängen funktioniere nicht einfach über Masse, sondern bedürfe der Reduktion von Komplexität. p/ps
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Dieser Artikel erschien in der LOGISTIK HEUTE Ausgabe Januar 2010.
Bilder: Archiv, Dryicons, teamtosse
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