Supply Chain Management
(SCM) – ein universitärer, berufsbegleitender Lehrgang
an der ETH Zürich
Das Management von zunehmend internationaleren
Wertschöpfungs-netzwerken
verlangt nach exzellenten Kenntnissen und einem umfas-senden Verständnis
der Zusammenhänge und Prozesse im Supply Chain Management.
Es zeigt sich immer deutlicher, dass in Zukunft nicht mehr Einzelunternehmen
gegeneinander in Konkurrenz stehen, sondern dass sich Wertschöpfungsketten
als komplexe Netzwerke von Handelspartnern miteinander messen müssen.
Ein universitärer und berufsbegleitender MBA-Studiengang an
der ETH Zürich zum Thema SCM richtet sich an Führungskräfte
und zukünftige Experten auf diesem Gebiet. Der 5. Lehrgang
mit einem Abschluss als MBA-ETH-SCM beginnt im März 2007.
Autor:
S.K. Walter, Präsident Forum-SCM an der Eidgenössischen
Technischen Hochschule ETH Zürich, www.mba-scm.org.
Heute ist der Begriff „Supply Chain Management“ (SCM)
in der Wirtschaft kein Fremdwort mehr. Es erstaunt aber trotzdem,
wie unterschiedlich der Begriff und die Bedeutung interpretiert werden.
SCM ist die fluss- und prozessorientierte, unternehmensübergreifende
und nachfrageorientierte Optimierung des gesamten Wertschöpfungsnetzwerkes
mit dem Ziel, nachhaltige Kostensenkungs- und Wertsteigerungspotenziale
zu realisieren.
Beim Betrachten von Wertschöpfungsketten müssen verschiedene
Ebenen berücksichtigt werden (Bild1). Diese Ebenen sind:
- die
physische Infrastruktur der Netzwerke,
- die Prozesse,
- die Organisationen und Funktionen sowie
- die Informationssysteme.

Bild 1: Ebenen des Supply Chain Managements
Für das Supply Chain Management fallen Aufgaben auf den verschiedenen
Stufen an. Über den eigentlichen, operativen Prozess-Elementen
(Einkauf bis Vertrieb) stehen die taktischen, planerischen Prozesse.
Auf dem strategischen Niveau geht es um die Ausgestaltung und die
Optimierung der gesamten Versorgungskette (Bild2).

Bild 2: Stufen des Supply Chain Managements
Dabei führt die zunehmende Internationalisierung der Beschaffungs-
wie der Absatzmärkte zu einer Globalisierung der Versorgungssysteme.
In vielen Fällen ist diese Globalisierung jedoch nach wie
vor eher Zielsetzung als Realität. Wirklich globale Marken
mit dem richtigen Mix zwischen zentraler Planung und dezentraler
Entscheidungsfindung, weltweit gemeinsamen Prozessen und durchgängiger
Informationstechnologie, gibt es nur vereinzelt. Noch haben nur
wenige Unternehmen genügend erfahrene Manager mit ausreichender
Kompetenz in dem dafür entscheidenden SCM.
Diese immer komplexer werdenden Geschäftsprozesse in den Wertschöp-fungsketten
der Unternehmen und deren Handelspartner führen dazu, dass
das Supply Chain Management eine zunehmend wichtigere Rolle in der
Un-ternehmensführung einnimmt. Die höhere Komplexität
hat verschiedene Ur-sachen: Die laufende Senkung der Fertigungstiefe
führt zu einem größeren Koordinationsbedarf mit
den Lieferanten bzw. externen Dienstleistern. Die steigenden Anforderungen
der Kunden an den Lieferservice und an die Lie-ferbereitschaft verlangen
nach reaktionsschnellen und hoch flexiblen Versor-gungsketten. Die
erforderliche Ausweitung der Produkt-Sortimente (insbeson-dere im
Handel), um die individuellen Kundenwünsche zu befriedigen,
verschärft die Situation zusätzlich und treibt die Komplexität
an. Die Reduktion der Bestände entlang der gesamten Wertschöpfungskette
zur Minimierung des gebundenen Kapitals erfordert leistungsfähige,
aufeinander abgestimmte Prozesse. Transparente Daten aus einer durchgängigen,
homogenen Sys-temlandschaft sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor.
Führende Unternehmen haben heute erkannt, dass mit der Optimierung
der Wertschöpfungskette der Unternehmenswert stark erhöht
werden kann.
Dabei stehen 5 Elemente für die Unternehmenswertsteigerung
im Vordergrund, die mit professionellem Supply Chain Management
beeinflusst werden: Profitables Wachstum, Kostenminimierung, Steueroptimierung,
Effizienz des gebundenen Kapitals und des Umlaufvermögens (Bild
3).

Bild 3: Steigerung des Unternehmenswertes durch
Supply Chain Management
Die Effizienz in der Zusammenarbeit
der beteiligten Partner in der Prozesskette lässt sich durch
die konsequente Anwendung der Regeln des Supply Chain Managements
massiv steigern. Je besser es gelingt, die Prozesse zwischen den
Partnern zu integrieren, desto höher ist der Gewinn für
jedes der beteiligten Unternehmen.
Dieser Optimierung von unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen
stehen aber eine Reihe von Hindernissen gegenüber. Unterschiedliches
Ver-ständnis der beteiligten Personen und Teams betreffend
Planung und Steue-rung der Prozesse. Je nach Größe des
beteiligten Unternehmens treffen un-terschiedliche Organisationsstrukturen
und Funktionen aufeinander. Im Bereich des Informationsaustausches
stehen sich inkompatible Informations- und Kommunikationssysteme
und -strukturen gegenüber. Und nicht zuletzt mangelt es an
einem gemeinsamen Verständnis und Wissenstand die Grund-sätze/Methoden
und Vorgehensweisen im Bereich Supply Chain Management betreffend.
Der steigende Stellenwert von Supply Chain Management als integrierendes
Element in den bereichs- und unternehmensübergreifenden Geschäftsprozessen
verlangt ein Generalistenverständnis für die Zusammenhänge
auf Unternehmens-Führungsebene. Die Aufgabe des Supply Chain
Managers stellt hohe Anforderungen an das Grundverständnis
der Funktionsweise von Wertschöpfungsketten. Die Spannweite
reicht von der Betreuung von Lieferantenpartnerschaften in der
Beschaffung bis zur Distribution und Kundenbetreuung auf der Absatzseite.
Was heute in den Unternehmen oft fehlt, sind nicht Fachspezialisten
für die einzelnen Bereiche des Supply Chain Managements, sondern
Führungskräfte mit dem nötigen Verständnis für
die komplexen Zusammenhänge und für die Potenziale, die
sich mit konsequentem Umsetzen der Regeln des Supply Chain Managements
erschließen lassen.
Basierend auf diesen Erkenntnissen und Bedürfnissen hat eine
Gruppe von Managern und Fachleuten aus namhaften europäischen
Unternehmungen ein MBA-Studium zum Thema SCM konzipiert. Die ETH
Zürich führt den Studien-gang in Kooperation mit der Hong
Kong University of Science and Technology, der Tongji University
Shanghai, der University of Tokyo, der Hosei University Tokyo und
dem Forum Supply Chain Management durch. Das in Englisch gehaltene,
modular aufgebaute Studium dauert berufsbegleitend 18 Monate. Es
zeichnet sich durch einen starken Fokus auf Ost-Europa und Asien
(China) sowie auf die realen Bedürfnisse international tätiger
Unternehmen aus. Entsprechend finden einige Unterrichtseinheiten
in Osteuropa und in Asien statt. Insgesamt unterstützen mehr
als 40 Unternehmen das MBA-Studium, und über 60 namhafte Fachleute
aus Hochschule und Praxis sind als Referenten tätig.
Das Programm richtet sich generell an international tätige
Manager und Fachleute aus dem Supply Chain Management oder angrenzenden
Bereichen. Es vermittelt ein breites Spektrum an spezifischen Kenntnissen
zum Aufbau und Management komplexer, internationaler Wertschöpfungsstrukturen.
Es besteht aus vier Modulen zuzüglich einer vertiefenden Exkursion
nach Asien und schließt als MBA-ETH-SCM nach 18 Monaten mit
der Master Thesis ab (Bild 4).

Bild 4: Struktur des MBA-Studiengangs
Supply Chain Management
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