„Wir liefern uns mit dem Wachstum eine Aufholjagd“ | Teil 2
Was machen Sie mit der Ware, die Sie nicht verkaufen können?
Dafür gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder die Kommissionsware geht zurück an den Hersteller oder wir verkaufen sie einige Monate später über unseren zweiten Channel, das originäre Geschäft, die Outlet-Kette Cofotex.
Und wie steht es bei Ihnen mit den Retouren?
Die Quote ist mit lediglich drei Prozent in Frankreich äußerst gering, was auch an unserer Liefergenauigkeit, aber vor allem natürlich an den hohen Preisnachlässen liegt. Falls das Designerstück nicht passt, wird es eher an die Freundin verschenkt, statt fünf Euro Rückporto zu zahlen.
Weil es in Deutschland das 40-Euro-Gesetz gibt, liegt die Retourenquote hier bei zwölf Prozent, was immer noch sehr niedrig ist. Das 40-Euro-Gesetz ist übrigens auch der Grund, warum viele französische Firmen nicht mehr nach Deutschland liefern.
Geringe Margen, wenig Spielraum für die Logistikkosten: Wo sparen Sie ein?
Es gibt Zielvorgaben für die Mitarbeiter und wir investieren viel in die Automatisierung und die IT. In Blanc-Mesnil haben wir so zum Beispiel vergangenes Jahr die Durchlaufzeit von neun Paketen pro Arbeitsstunde auf 13 Pakete erhöht.
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Sébastien Hospital im Gespräch mit LOGISTIK HEUTE-Redakteurin Karin Pfeiffer.
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30, 40 Prozent und noch größere Wachstumsraten – wie hält die Logistik mit diesem Erfolgstempo Schritt?
Das Geheimnis heißt Flexibilität. Mit der Einführung der beschriebenen Prozesse habe ich fast beliebig skalierbare Strukturen geschaffen. Wenn das Volumen steigt, wachsen wir mit einem neuen Logistikzentrum mit und übertragen auch dorthin unsere Prozesse.
So einfach?
(lacht) Zugegebenermaßen nein. Derzeit liefern wir uns mit dem rasanten Wachstum eher eine spannende Aufholjagd. Um der Entwicklung endlich ein Stück voraus zu sein, plane ich für 2010 die Inbetriebnahme von drei weiteren Logistikzentren: eins in Großbritannien, eins in Italien und im Juni soll ein weiteres, 30.000 m² großes Lager in Lyon eröffnet werden.
Lehnen Sie sich dann zurück?
Ich glaube offen gesagt nicht, dass der Vorsprung lange halten wird. Aber die Vorhersage ist natürlich schwierig. Haben wir im nächsten Jahr 10.000 Pakete mehr oder eine Million?
Ist Outsourcing kein Thema?
Nur als Puffer. In Frankreich helfen uns zwei Logistikpartner, CEPL und SED, die großen saisonalen Spitzen abzufedern. Aber das konnten wir dieses Jahr schon zurückfahren. Hatten wir 2008 noch 20 Prozent der insgesamt neun Mio. Pakete auslagern müssen, geben wir dieses Jahr lediglich sechs Prozent an unsere Partner – von insgesamt 13 Mio. Paketen.
Parallel zum Wachstum im Heimatmarkt ist vente-privee.com in anderen europäischen Märkten an den Start gegangen …
… und da wachsen wir schon ähnlich schnell. Um hier von Anfang an über dieselbe Flexibilität wie in Frankreich zu verfügen, noch bevor wir die kritische Masse erreicht haben, setzen wir hier tatsächlich auf Logistikdienstleister. Aber sie arbeiten mit genau den gleichen Prozessen. Wir investieren selbst in die Intralogistik und übertragen an unsere Partner unsere IT, das WMS – und unser gesamtes Prozess-Know-how. Sie müssen dieselbe Qualität wie wir selbst liefern, das ist uns enorm wichtig. In Deutschland ist unser Umsatz im ersten Halbjahr 2009 um 140 Prozent auf 20,6 Mio. Euro gestiegen. Da arbeiten wir seit Mai mit CEPL zusammen, der in Germersheim über ein 15.000 m² großes Lager verfügt. Heute nutzt vente-privee. com 1.000 m² davon, Anfang nächsten Jahres werden es 3.000 m² sein und Mitte 2010 bereits 10.000 m². Und im September haben wir auf dieselbe Weise ein Logistikzentrum in Madrid in Betrieb genommen.
Gibt es bei der Verlagerung Ihrer Kernkompetenz an Partner keine Anlaufprobleme?
Der Start kürzlich in Madrid hat reibungslos funktioniert. 1.000 Pakete waren es am ersten Tag. Es ist natürlich auch eine Frage des Vertrauens …
… heißt es nicht, Kontrolle ist besser?
(lacht) Gerade realisieren wir ein weiteres großes Projekt. Wir bauen eine neue IT-Infrastruktur, die sämtliche Logistikstandorte vernetzt. Ab Anfang nächsten Jahres können wir die Prozesse von unserer Zentrale in Paris aus einsehen. Dann kann ich überall noch mehr Tempo machen (lacht).
Herzlichen Dank für das Gespräch. pf
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