Im Blaumann an die Sprossenwand
Produktion Der demografische Wandel trifft auch die Automobilindustrie. BMW setzt auf Gesundheitsförderung in den Prozessen und motiviert dadurch seine Mitarbeiter. Der Automobilbauer macht sich fit für die Zukunft.
Optimale Griffhöhe: Dr. Kay Biedermann testet die neue Anordnung der Schütten am Band des Arbeitssystems 2017.
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Der helle Parkettboden und die braune Sprossenleiter an der Außenwand passen auf den ersten Blick nicht in die Produktionshallen des bayerischen Automobilbauers BMW in Dingolfing. Künstliches Licht, Betonboden, viel Stahl und zahlreiche Gitterboxen dominieren das Bild an den Bändern und Montagelinien, wo Werker im Blaumann Achsgetriebe fertigen. Doch ein Band ist die große Ausnahme, das Vorzeigeprojekt der Niederbayern, das von den Mitarbeitern begehrte „Arbeitssystem 2017“. An ihm wagt der Autoriese ein Blick in die Zukunft einer alternden Gesellschaft.
Risiken, aber auch unentdeckte Chancen, bietet diese unvermeidbare Entwicklung für die Industrie, ist sich BMW sicher. Vor einem Jahr lag das Durchschnittsalter der Belegschaft bei 41,4 Jahren. Im Jahr 2018, so die Prognosen, wird es bei 46,4 Jahren liegen. Hintergrund: Die Deutschen werden immer älter und weniger junge Menschen werden geboren. Der demografische Wandel schlägt zu und zwingt Unternehmen zur Vorsorge, um Qualität und Wettbewerbsfähigkeit in den Produktions- und Logistikprozessen langfristig sicherzustellen.
Dabei verfolgen die Arbeitgeber zwei unterschiedliche Ansätze. Die einen setzen auf eine altersgerechte Prozessarchitektur, um „Generation Grau“ effizient einzusetzen. Andere, darunter auch BMW, setzen auf die langfristige, nachhaltige Gesundheitsförderung der Mitarbeiter. „Das Arbeitssystem 2017 ist kein Band für alte Beschäftigte, sondern es ist ein wichtiges Element, um die Gesundheit aller Mitarbeiter zu erhalten“, erklärt Dr. Kay Biedermann, Produktionsleiter bei BMW
Hohe Akzeptanz
Das Alter soll körperliche und geistige Fitness nicht ausschließen. Deshalb unterstützt das Unternehmen seine Werker in der individuellen Gesundheitsvorsorge. Das fängt bei der Mitarbeiterführung an, geht über die Förderung sozialer Kontakte, das Angebot gesunder Mahlzeiten und eine optimierte ergonomische Ausrichtung der Prozesse an den Bändern. Das alles soll das Arbeitssystem 2017 leisten. „Wir können keinen zwingen, aber die Akzeptanz unseres Projekts ist innerhalb der Belegschaft sehr groß“, freut sich Biedermann, der das Change-Management mit begleitet.
An den Produktionsvorgaben hat sich derweil nichts geändert. Auch am Vorzeigeband, das bei den Kollegen beliebt ist und manchmal neidisch begutachtet wird, müssen die Produktivitätsziele eingehalten werden. Einen langsameren Takt oder zusätzliche Puffer sind tabu. Die neue Prozessarchitektur muss mit den konventionellen Bändern konkurrieren. Die neue Montagelinie soll die Gesundheit fördern. Deshalb wurden Ärzte, Physiotherapeuten, Betriebsräte, aber auch die Mitarbeiter in die Prozessplanungen eingebunden. „Unsere Mitarbeiter wissen am besten, bei welchen Tätigkeiten sich körperliche Belastungen verbergen“, so Biedermann. Die Ergebnisse sind verblüffend einfach. „Die Investitionskosten bewegen sich auf einem sehr niedrigen Niveau“, bestätigt Kay Biedermann. Viele behindernde und anstrengende Griffe und Stellungen sind durch leichte Korrekturen schnell abzustellen gewesen: Langes Stehen auf einem Parkettboden ist angenehmer als auf Beton. Die Materialversorgung an das Band wurde individuell optimiert. Neue Stühle, deren Ergonomie BMW sich in Friseurläden abgeschaut hat, fördern einen gesunden Rücken. Das lästige Heben aus der Gitterbox gehört der Vergangenheit an. Kleinladungsträger, die direkt am Arbeitsplatz positioniert sind, erleichtern die Versorgung am Band. Größere Bildschirmschriften schonen die Augen und bei schweren Komponenten unterstützt ein Hebemechanismus die Werker.
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