
Der Streit zwischen Airlines und der Bundesregierung wegen der bis heute um 20 Uhr verlängerten Flughafensperrung nimmt an schärfe zu. Lufthansa-Chef Wolfgang Mayrhuber wütete gegen das Bundesverkehrsministerium und drängte auf eine Öffnung der Lufträume. Die Sorge um die Sicherheit der Passagiere wies er als unbegründet zurück. Inzwischen bezifferte der Internationale Flugverband IATA die Einkommensverluste der Fluglinien wegen ausgefallener Fracht- und Passagierflüge auf täglich rund 150 Mio. Euro. Einige Unternehmen beklagen, dass sie mit wirtschaftlichen Einbußen wegen gestrichener Frachtflüge und höheren Luftfrachtpreisen rechnen müssen. Die Deutsche Post kündigte an, dass sich Briefe und Pakete verspäten können, weil das Drehkreuz Leipzig/Halle geschlossen sei. Der Pakettransport sei auf die Schiene und Straße verlegt worden. Zu Mangelware könnten bald Südfrüchte und Blumen werden. Lufthansa Cargo hat von Donnerstag bis Sonntag 51 Cargo-Flüge gestrichen. Und die Air-Berlin-Frachttochter Leisure Cargo kann auf ihren interkontinentalen Routen derzeit zwei Drittel der normalerweise transportierten Waren nicht bewegen. Noch härter trifft es Brussels Airlines. Sie musste Spezialfirmen für die Vernichtung von Gemüse beauftragen, das aus Afrika nicht mehr nach Skandinavien geflogen werden konnte. Inzwischen nehmen etliche Fluglinien, wie etwa die britische Airline Virgin Atlantik, keine Fracht mehr an. Ihre Lagerkapazitäten in Heathrow sind völlig erschöpft. Der Schweizer Dienstleister Panalpina kündigte mit „sofortiger Wirkung“ wegen der Verknappung der Transportkapazitäten die Erhöhung der Luftfrachtraten an. Der Münchener Automobilbauer BMW ist ebenfalls von den Flugausfällen betroffen. Wichtige Komponenten könnten nicht in die USA geliefert werden, heißt es bei dem Autobauer. Die Produktion laufe aber noch regulär weiter, so BMW. Im schlimmsten Falle drohe ein Bandstillstand, sagte ein Sprecher der "Handelszeitung".
(jö)
Bild: Lufthansa Cargo