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Das war der Frühjahrsgipfel: Logistikweise diskutieren über Herausforderungen in 2017


INITIATIVE

Zum „Gipfel der Logistikweisen“ treffen sich Experten, um über die Zukunft der Logistik zu ­diskutieren. Für 2017 ergeben sich einige Heraus­forderungen.

Auf zwei Tagungen im Frühjahr und im Herbst diskutieren Experten beim „Gipfel der Logistikweisen“ über Herausforderungen und Veränderungen in der Logistik. Die folgenden Inhalte sind das Ergebnis des Frühjahrs­gipfels, der am 15. April im Kloster Eberbach stattgefunden hat, welche die Vorbereitung des Herbstgipfels (30. September im Spessart) bilden. Die Ergebnisse des Herbstgipfels lagen zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch nicht vor. Sie werden am 18. Oktober in einer Zusammenfassung veröffentlicht.
In fünf Diskussionsgruppen wurden beim Frühjahrsgipfel die Themen „Neue Technologien und IT insbesondere Digitalisierung und deren Wirkung auf die Organisation“, „Neue Wettbewerber und Konsolidierung seitens Nachfrage und Angebot (inklusive E-Commerce)“, „Immigration und Flüchtlingswelle“, „Wahrnehmung der Logistik beziehungsweise Logistik als Wert“ sowie „Globalisierung und Konjunktur“ behandelt.
Über die Frage nach den wichtigsten Stakeholdern und deren Einfluss, die resultierenden allgemeinen Effekte und die Auswirkungen auf logistische Kennzahlen wurden die drängendsten Fragen herausgebildet, auf die im Laufe des Herbstgipfels eine Antwort gefunden werden sollte, um eine Einschätzung zur Entwicklung des Wirtschaftsbereichs Logistik in 2017 geben zu können.

Die Kernergebnisse der Tagung sind im Folgenden zusammengefasst:

  • Stärkster Treiber für die Transformation des Wirtschaftsbereichs sind insbesondere die Digitalisierung und die innovativen Geschäftsmodelle. Die neuen Technologien und IT-Werkzeuge beziehungsweise deren Potenziale sind wichtige Werkzeuge, die die Entwicklung durch richtigen Einsatz fördern. Das Thema wird den Wirtschaftsbereich nicht nur 2017, sondern auch noch darüber hinaus nachhaltig bewegen. Dabei wächst die Relevanz des (End-)Kunden für die Logistik, da die Potenziale des Wirtschaftsbereichs als Leistungsträger deutlicher werden.
  • Die neu auf dem Markt auftretenden Wettbewerber sind bereits jetzt präsent und beeinflussen einzelne Teilsegmente deutlich. Eine merkliche Veränderung des gesamten Wirtschaftsbereichs mit Effekten auf dessen Entwicklung wird erst mittelfristig erwartet, insbesondere wenn sich herausstellt, wer die Logistik steuert beziehungsweise wer „Herr“ über die relevanten Daten ist.
  • Der Ausgang der TTIP-Verhandlungen wie auch der Verhandlung innerhalb der EU und die Regionalisierung der Märkte werden bereits 2017 die Entwicklung des Wirtschaftsbereichs beeinflussen. Die aktuell stattfindende Desintegration der Märkte wird einen nachhaltigen Effekt auf das Wachstum des Wirtschaftsbereichs haben.
  • Die Flüchtlingsthematik führt zu einer Dynamik in der Entwicklung des Wirtschaftsbereichs mit noch unsicherem Ausgang für 2017. Mittelfristig stabilisiert sich die Situation, der Wirtschaftsbereich wird seine Instrumentarien zum Umgang damit etabliert haben.


Die wichtigsten Treiber
Im Detail hat sich gezeigt, dass aktuell die Wirtschafts- und allgemeinen politischen Entscheidungen, Individualisierung, neue Geschäftsmodelle und Innovationen plus der demografische Wandel die wichtigsten Treiber bilden. Das spiegelt auch die wichtigsten Stakeholder wider, die die Rahmenbedingungen in der Logistik prägen (nämlich Politik, (End-)Kunde und Unternehmen mit innovativen Technologien oder Geschäftsmodellen).
Das führt im Bereich der neuen Technologien zu kontinuierlich steigenden Anforderungen an die Logistik. Transparenz durch Digitalisierung kann dies lösen und die Logistik effizienter machen. Eine Herausforderung bilden dabei Investitionsentscheidungen, die mindestens drei Jahre umfassen. Konsequenz ist in vielen Fällen das Insourcing der Logistiksteuerung durch verladende Unternehmen.
In diesem Zusammenhang bietet der E-Commerce Potenziale insbesondere für Logistikdienstleister. Die Wettbewerbsintensität nimmt jedoch durch neue Marktteilnehmer auch außerhalb der Logistik deutlich zu. Durch die steigende Immigration wird im Niedriglohnsektor wachsendes Outsourcing erwartet. Zwar kann ein „kleines Konjunkturprogramm“ erkannt werden. Es bestehen jedoch wachsende Risiken bei innereuropäischen Verkehren, sofern sich wieder eine Situation wie im zweiten Halbjahr 2015 abzeichnet.

Die Herausforderungen
Eine besondere Herausforderung bildet die Flächenausweisung insbesondere in A-Lagen. Die Entscheidung wird weiterhin gegen die Logistik fallen. Hinzu kommen lange Planungs-/Genehmigungsprozesse und Widerstand der Bevölkerung, die sich hauptsächlich durch die Wahrnehmung beziehungsweise das Image der Logistik begründen lassen.
Insgesamt ist rückläufiges Wachstum auf interkontinentalen Verkehren zu erwarten. Auch wird aufgrund des weiterhin niedrigen Ölpreises eine Verschiebung hin zur Straße stattfinden.
Zum Zeitpunkt des Frühjahrsgipfels wurde erwartet, dass die Sendungszahlen in 2017 weiter steigen, im Gegenzug das Sendungsgewicht beziehungsweise die Sendungsgrößen abnehmen werden. Auch die IT-Investitionen und operativen Logistikkosten sollen in 2017 höher ausfallen. Mit wenigen Veränderungen wird bei den Margen der Logistikdienstleister gerechnet, obwohl deren Zuverlässigkeit wohl weiter steigen wird. Diese Einschätzungen sind davon abhängig, wie sich die neuen Geschäftsmodelle etablieren werden, neue Anwendungen und Technologien zum Einsatz kommen, die traditionelle Logistik darauf reagiert, die Flüchtlingsfrage gelöst wird und die aktuellen wirtschaftlichen Herausforderungen sich entwickeln.

Daraus ergeben sich folgende Aspekte, die hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf den Wirtschaftsbereich Logistik in 2017 auf dem Herbstgipfel 2016 diskutiert werden:

  • Wie wird sich die Digitalisierung von Prozessen und Schnittstellen zwischen Unternehmen entwickeln? Stand und Potenziale der technologischen Werkzeuge und deren Realisierungsgrad und Auswirkungen auf die Logistik im Jahr 2017.
  • Welche neuen Geschäftsmodelle und Marktteilnehmer werden insbesondere in Handel und Logistik den größten Einfluss haben? Stand und Potenziale der unternehmerischen Möglichkeiten und deren Auswirkungen auf die Logistik im Jahr 2017.
  • Wie wird sich die Personalfrage auch vor dem Hintergrund der Integration der Flüchtlinge entwickeln? Die Herausforderungen und Möglichkeiten beim Personal und deren Einfluss auf logistische Prozesse und Kenngrößen 2017.
  • Wie entwickeln sich die regionale Globalisierung sowie die Bestrebung einzelner Länder zum Austritt aus Wirtschaftsgemeinschaften? Langfristige Veränderungen und Herausforderungen im Welt- und Regionalhandel und deren Wirkung auf die deutsche Logistik 2017.
  • Mit welchen Einflüssen aus Krisenherden (beispielsweise Türkei, Syrien, Ukraine, et cetera) ist zu rechnen und wie wirkt sich dies auf die deutsche Wirtschaft aus? Punktuelle weltweite Ereignisse mit Einfluss auf die deutsche Logistik im Jahr 2017. nbr


Autor: Prof. Dr. Christian Kille, Professor für Handelslogistik an der Hochschule Würzburg.



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