Werbung

Krankenhauslogistik: Neue Benchmarking-Ansätze im Dienstleistungssektor


FORSCHUNG

Das Verbundprojekt BELOUGA will mithilfe der Benchmarking- Methodik unterstützende Dienstleistungsprozesse in Krankenhäusern und bei Kontraktlogistik-projekten überprüfen und weiterentwickeln.

Klingt zwar genauso, hat aber mit dem gleichnamigen Weißwal nichts zu tun: Das Akronym BELOUGA steht für „Benchmarking logistischer Unterstützungs- und Dienstleistungsprozesse
im Gesundheitswesen und in industriellen Anwendungen“. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS, Nürnberg, hat im Rahmen des Projekts gemeinsam mit Kliniken und Logistikdienstleistern ein Konzept entwickelt, um den Status quo der Medikalprodukteversorgung zu bewerten und branchenübergreifend von den Best Practices der Automobilindustrie zu lernen.
Diese ist laut Jahresbericht 2012 des Verbands der Automobilindustrie (VDA) eine deutsche Schlüsselbranche mit mehr als 350 Mrd. Euro Umsatz und mehr als 700.000 Beschäftigten. Mit Innovationen wie „just in time“, „just in sequence“ und der Kanban-Produktionssteuerung ist die Automobilindustrie zugleich in der Logistik wegweisend. Automobilhersteller und -zulieferer sind einem hohen Kosten- und Produktivitätsdruck bei entsprechenden Qualitätsansprüchen und Anforderungen der Kunden ausgesetzt. Die hierdurch steigende Anzahl an Varianten und Komplexität wird durch eine Standardisierung der Prozesse bewältigt. Auch Kliniken stehen seit Einführung der diagnosebezogenen Fallgruppen (Diagnosis Related Groups, DRG) einem gestiegenen Effizienzdruck gegenüber, der eine Umorientierung von Logistik und Prozessen verlangt.
Hier setzt die Fraunhofer-Benchmarking- Studie an: Die Medikalprodukteversorgung von Kliniken wird mit der Kleinteileversorgung in der Automobilindustrie verglichen. Medikalprodukte sind einfache Umlauf- und Verbrauchsgüter, wie Spritzen und Verbandsmaterial, die in Kliniken in hoher Anzahl verbraucht werden und von eher geringem Wert sind.

Klinikumfeld und Autoindustrie
Prozessaufnahmen und Interviews mit Praxispartnern aus dem Klinikumfeld und der Automobilindustrie sind Grundlage der in Zusammenarbeit entwickelten Arbeitsdefinitionen und Referenzprozesse für den Benchmarking-Vergleich. Der in der Abbildung dargestellte Prozess der Medikalprodukteversorgung beginnt bei der Anlieferung der Ware durch die Lieferanten im Materiallager der Klinik oder des Logistikdienstleisters und endet mit der Behandlung des Patienten: Die
Ware kommt ins Materiallager, gelangt gegebenenfalls in ein Zwischenlager, wird kommissioniert, mittels Versorgungsrouten an die Stationen und Schränke verteilt und schließlich vom Pflegepersonal zum Einsatz entnommen. Der Informationsfluss läuft dem  Warenfluss entgegen: Der Verbrauch der Ware setzt bei Unterschreitung der vereinbarten Mindestbestände im Schrank oder Stationslager meist eine Bestellung in Gang.
Der im Modell dargestellte Prozess kommt auch in der Automobilindustrie vor. Die Versorgung mit Kleinteilen, ebenfalls Artikel mit hoher Verbrauchsanzahl und niedrigem Stückpreis, läuft ähnlich ab: von der Anlieferung der Ware zum Materiallager über die Kommissionierung und Versorgung der Produktion mittels Routenzüge bis hin zur Entnahme der Ware aus dem Regal und Verwendung durch den Werker am Arbeitsplatz. Unterschiede gibt es vor allem bei den eingesetzten Praktiken und Strukturen, wie etwa dem Supermarktprinzip oder dem Aufbau der Gebäude.

Anonymisierter Datenvergleich
Im Rahmen der Studie wurden anhand eines Benchmarking-Fragebogens bei Kliniken und Logistikdienstleistern aus dem Klinikumfeld und der Automobilindustrie Kennzahlen, Praktiken und Strukturdaten erhoben und anonymisiert gegenübergestellt. Die Leistung der logistischen Versorgungsprozesse der Teilnehmer wird dann anhand der Dimensionen Produktivität, Qualität und Kosten bewertet und im Vergleich zu den anderen positioniert. Eine Analyse der eingesetzten Praktiken und die Berücksichtigung der vorhandenen Strukturen der Teilnehmer in Zusammenhang mit der Positionierung ermöglicht die Ableitung von Best Practices und Handlungsempfehlungen.
Gerade der branchenübergreifende Vergleich kann durch den „Blick über den Tellerrand“ für Krankenhäuser neue Impulse bringen und innovative Ansätze aufdecken. Die Ergebnisse der Benchmarking- Studie sollen im Herbst 2013 veröffentlicht werden. he

Autoren: Moike Buck und Franziska Jehle,beide von der Gruppe Prozesse der Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS, Nürnberg.

BELOUGA

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderte Projekt läuft von Ende 2010 bis Mitte 2014 und hat im Rahmen der BMBFFördermaßnahme „Produktivität von Dienstleistungen“ die Förderbewilligung
von über zwei Millionen Euro erhalten. Das Ziel von BELOUGA ist die Entwicklung neuer Benchmarking- Ansätze für das Gesundheitswesen und industrielle Anwendungen. Projektpartner sind die Universität Bayreuth, die Hochschule Ingolstadt, das Logistik-Kompetenz-Zentrum Prien und das Klinikum Ingolstadt. Die Fraunhofer-Arbeitsgruppe für Supply Chain Services SCS übernimmt die Projektleitung.



Aktuelle Fotostrecke

Die Intralogistikmesse CeMAT findet vom 23. bis 27. April 2018 in Hannover statt. Besucher können sich dort bei 650 Ausstellern über neue Produkte und Lösungen informieren. Die Redaktionen von LOGISTIK HEUTE war vor Ort und zeigt Ihnen Eindrücke vom Leistungsschau. Die Deutsche Messe AG veranstaltet die CeMAT gleichzeitig mit der HANNOVER MESSE.
Die Intralogistikmesse CeMAT findet vom 23. bis 27. April 2018 in Hannover statt. Besucher können sich dort bei 650 Ausstellern über neue Produkte und Lösungen informieren. Die Redaktionen von...

Logistik-Themen mit ähnlichen Inhalten...

 

© 2018 HUSS-VERLAG GmbH München | Alle Rechte vorbehalten