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Robotik auf der AUTOMATICA: Eine Rückschau


FACHMESSE

Sie können schweißen, stapeln, schwere Werkstücke heben und kommen inzwischen auch ohne Schutzzaun daher: die Industrie- und ­Serviceroboter, die auf der AUTOMATICA zu bestaunen waren. Was die neuen Roboter können und wo sie bereits eingesetzt werden.

Ende Juni dieses Jahres wuchs auf dem Messegelände in München endlich zusammen, was nach Auffassung von Experten und Herstellern schon lange zusammengehört: Mensch und Maschine. Auf der Fachmesse AUTOMATICA, die vom 21. bis 24. Juni rund 45.000 Fachbesucher (2014: 34.500) in die bayerische Landeshauptstadt lockte, war an etlichen Ständen der insgesamt 839 Aussteller live zu sehen, was in den kommenden Jahren fester Bestandteil jeder Fabrikhalle werden soll – die Kollaboration von Mitarbeitern und Robotern ohne Schutzzaun.

Diese sogenannten Cobots, die aktuell vor allem in Leichtbauweise daherkommen, sollen die Werker nicht nur im Bereich körperlich schwerer Arbeiten entlasten, sondern sind laut AUTOMATICA Trend Index 2016 auch ein wichtiger Treiber für den zu erwartenden weltweiten Roboter-Boom. So sind 85 Prozent der 100 befragten Unternehmensentscheider überzeugt, dass kollaborative Leichtbauroboter die Einsatzfelder der Automatisierung erweitern werden. Eine Ansicht, die bei etlichen Herstellern bereits industriereife Realität ist.
So hatte etwa die Robert Bosch GmbH ihre „APAS“-Serie mit auf die Messe gebracht, die den Menschen in der vernetzten Fabrik der Zukunft auf unterschiedliche Weise unterstützen soll. Neuestes Mitglied der Roboterfamilie ist die „APAS workstation“, eine Kombination aus industriellem Handarbeitsplatz und Roboterarm, die intelligent mit anderen Systemen innerhalb der Produktion und Montage sowie über ein Bildverarbeitungssystem mit den Mitarbeitern kommunizieren kann.

Sie soll, so das Unternehmen, vor allem Assistenzfunktionen übernehmen und Tätigkeiten ausführen, die monoton, gefährlich oder ergonomisch ungünstig sind. Möglich wird die tatsächliche räumliche Zusammen­arbeit von Mensch und Maschine durch eine Sensorhaut, die den Roboterarm umhüllt und ihm signalisiert, wann er einen für den Menschen gefährlichen Grenz­bereich in seiner Bewegung erreicht, so eine Sprecherin von Bosch.
Aber nicht nur der Stuttgarter Hersteller setzt auf ein Hand-in-Hand-Arbeiten von Roboter und Industriearbeiter. Auch das Augsburger Unternehmen Kuka zeigte auf der Leistungsschau kleine kollaborative Modelle wie den „KR 3 Agilus“, der auf dem Messegelände erstmals der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Das neueste Mitglied der Kuka-Kleinrobotikfamilie kommt nach Unternehmensangaben mit 600 mal 600 Millimeter nicht nur mit sehr wenig Platz aus, sondern erfüllt aus Sicht der Augsburger auch die gewachsenen Anforderungen verschiedener Industriezweige.
So seien die Lebenszyklen der meisten Robotikprodukte in den vergangenen Jahren kürzer geworden, wie Dr. Johannes Kurth, Head of Engineering, Advanced Technology Solutions bei Kuka Systems, während eines Expertengesprächs auf der Messe betonte. Dies bedeute, dass Maschinen immer flexibler und in unterschiedlichen Bereichen einsetzbar sein müssen. So beherrsche der KR 3 nicht nur Tätigkeiten, die in der Elektroindustrie gefragt wären, sondern eigne sich auch zum Kleinteilehandling oder zu Pick & Place-Tätigkeiten.

Wichtig für Logistik
Deshalb seien die neuen Modelle auch in der Logistik gut einsetzbar, wie Dr. Volker Jungbluth, Head of Strategic Research & Development der Swisslog Automation GmbH, erklärte. Kollaborative Roboter seien beispielsweise bereits heute in der Lage, mithilfe einer Automated Item Pick Application die von automatischen Lagersystemen bereitgestellten Artikel direkt aus den Behältern zu kommissionieren. Ähnlich wie bei Bosch soll aber sowohl im Produktions- als auch im Logistikprozess weiterhin der Mensch im Vordergrund stehen, wie Jungbluth und seine Kollegen bei Kuka betonten.
„Der Mensch ist in der Art und Weise, wie er Dinge greift und erkennt, das komplexeste Wesen, das wir kennen, und in diesem Punkt auch auf Dauer nicht zu ersetzen“, erklärte Kurth im Rahmen der Diskussionsrunde. Deshalb sollen sich Mitarbeiter aus Kuka-Sicht zukünftig auf Arbeiten konzentrieren, die ihre Intelligenz und Kreativität erfordern, wie etwa die Veredelung von Produktions- und Logistikprozessen.

Im Sinne einer vollständig vernetzten Fabrik, wie sie von fast allen großen Herstellern auf der Messe als Vision entworfen wurde, spielt auch Software eine nicht mehr wegzudenkende Rolle. Grund genug für die Messeleitung, IT-Anbietern wie SAP, Siemens Industry Software oder Beckhoff Automations GmbH mit „IT2Industry“ eine eigene Plattform zu geben, auf der sie ihre Produkte und Lösungen präsentieren konnten. Im Trend lagen dabei nicht nur Cloudanwendungen und Lösungen zur Datenanalyse, sondern auch die virtuelle Produktions- und Logistikplanung.

So zeigte unter anderem die Münchner Machineering GmbH, wie Unternehmen ihre Industrie- und Logistikanlagen mittels der 3D-Simulationssoftware „Industrial Physics“ planen und finalisieren können. Die Anwendung ermögliche nicht nur die detaillierte Platzierung von Förder- und Produktionstechnik, sondern auch die Simulation von Robotikelementen innerhalb der Anlage. So sollen Unternehmen im Vorhinein feststellen können, welche Art der Automatisierung die richtige für sie ist. Zudem eigne sich die Software auch für die fortlaufende Optimierung bereits bestehender Abläufe.
Ob IT-Anbieter zukünftig in der Lage sein werden, den realen Menschen in diese Simulationen zu integrieren, und wenn ja, mit welchem Tätig­keitsbild, können sich Fachbesucher und Interessierte vielleicht schon auf der kommenden AUTOMATICA ansehen, die vom 19. bis 22. Juni 2018 in München stattfindet.

Sandra Lehmann



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