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Fresenius-Studie: Wie nachhaltig sind deutsche Flughäfen?


Luftfracht

Eine aktuelle Studie fühlt der Nachhaltigkeit an den internationalen Flughäfen in Deutschland auf den Zahn. Ist das Thema ein Trend oder ein Erfolgsfaktor?

Flughäfen verzeichnen ein immer stärkeres Wachstum. Doch wie lässt sich dieses Wachstum mit Nachhaltigkeit verbinden? Diese zentrale Frage galt es in einer aktuellen Studie an der Hochschule Fresenius zu beantworten. Dazu wurden alle internationalen Verkehrsflughäfen in Deutschland zu einer Onlinebefragung im Juni 2017 eingeladen. Zwölf der 15 Flughafenbetreiber, also 80 Prozent, nahmen teil. Experteninterviews und tiefgehende Analysen der Nachhaltigkeit mit ausgewählten Flughäfen ergänzten die Ergebnisse. Die Forscher haben untersucht, wie nachhaltig die internatio­nalen deutschen Flughäfen in den Bereichen Ökologie, Soziales und Ökonomie agieren, welche Gründe hinter ihrem Engagement stecken und welche Chancen und Risiken die Branche in den kommenden Jahren zu erwarten hat.

Fluglärm, Luftschadstoffemissionen, Vergütung der Mitarbeiter oder der Schutz der biologischen Vielfalt. An einem Flughafen gibt es zahlreiche Bereiche, die mit dem Thema Nachhaltigkeit in Verbindung stehen. Für diese stehen verschiedene Konzepte, Siegel und Kriterien zur Verfügung. Die nachhaltige Berichterstattung nach der Global Reporting Initiative (GRI) und die Zertifizierung von Luftschadstoff­emissionen durch die Airport Carbon Accreditation sind zwei führende verfügbare Konzepte. Bereits 50 Prozent der befragten Flughafenbetreiber veröffentlichen jährlich einen Nachhaltigkeitsbericht und weitere 25 Prozent planen, einen solchen bis zum Jahr 2020 zu implementieren. Außerdem lässt sich bereits ein Drittel der befragten Airports ihre Luftschadstoff­emissionen zertifizieren. Darüber hinaus strebt ein Viertel der teilnehmenden Flughäfen eine solche Zertifizierung in Zukunft an. Die Studie identifizierte 16 Kernbereiche der Nachhaltigkeit eines Flughafens, die alle mit verschiedenen Indikatoren der GRI verknüpft sind.

Erneuerbare Energien im Fokus

Den ökologischen Maßnahmen werden an Flughäfen oftmals eine erhöhte Bedeutung zugeschrieben. Besonders im Energiemanagement setzen bereits rund 55 Prozent der befragten Flughäfen einen sehr starken Fokus auf erneuerbare Energien und circa 91 Prozent denken, dass E-Mobilität ein wichtiges Thema für die Abfertigung am Vorfeld darstellt. Der sparsame Umgang mit Wasser soll durch Kreislauf- und Aufbereitungssysteme sowie eine verstärkte Verwendung von Brauch- statt Trinkwasser gewährleistet werden. Zudem rücken Ausgleichsmaßnahmen für Landnutzung und ein Grünflächenmanagement in den Vordergrund. Die Reduktion von Treibhausgasen steht im Zentrum der Umweltdiskussion an deutschen Flughäfen. Besonders nennenswert ist der Flughafen Stuttgart, der es durch den Bezug von erneuerbaren Energien bereits heute schafft, im Scope 2 des Verrechnungssystems „Greenhouse Gas Protocol“ komplett kohlendioxidfrei zu operieren, indem der eigene Energiebedarf vollständig durch regenerative Quellen gedeckt wird. Scope 2 steht für die Emissionen, die für die Herstellung des zugekauften Stroms, Dampfs und der Wärme sowie Kälte entstanden sind.

Auch im Bereich Abfall und Wertstoffe können Flughafenbetreiber ihr Engagement durch hohe Recyclingraten und sortengerechte Trennung zum Ausdruck bringen. Die Kontrolle der Nachhaltigkeit sollte jedoch über das eigene Unternehmen hinausgehen und auch auf alle Partner und Lieferanten angewendet werden. Die Flughäfen Frankfurt und München setzen bei diesem Aspekt auf einen Lieferantenkodex, welcher wirtschaftliche, soziale und ökologische Faktoren beinhaltet. Martin Partsch, Leiter der Abteilung Nachhaltigkeit und Umlandkommunikation am Flughafen Köln/Bonn, begründet das Engagement der ökologischen Nachhaltigkeit durch einen massiven Eingriff in die Umwelt, wie Flächenverbrauch, Ressourcennutzung, Emission von Luftschadstoffen und Lärm.

Auch die soziale Nachhaltigkeit findet an den deutschen Flughäfen bereits starke Beachtung. Diversity Management, Work-Life-Integration, Mitarbeiterzufriedenheit oder flexible Arbeitszeiten rücken immer mehr in den Fokus der Beschäftigung. Geringe Personalfluktuation, übertarifliche Zusatzleistungen und positive Rückkehrraten nach der Elternzeit sind hierbei beispielhafte Indikatoren.

Durch das hohe Verkehrsaufkommen und den Einsatz verschiedener Maschinen und Fahrzeuge auf dem Vorfeld ist auch der Arbeitsschutz von höchster Wichtigkeit. Eine Präventionskultur, Gesundheitsförderungsprogramme oder regelmäßige Gefährdungsbeurteilungen sind nur einige Beispiele, die bereits von allen befragten Flughäfen umgesetzt werden.

Nachhaltig vor Lärm schützen

Neben den eigenen Mitarbeitern sollte außerdem die regionale Entwicklung gefördert werden. Spenden, Sponsoring und eine aktive Kommunikation mit den Nachbarn sind hier Beispiele für Aktivitäten der sozialen Nachhaltigkeit eines Flughafens. Der Schutz der Anwohner vor Lärm wird von den Flughafenbetreibern zudem durch meist passive Schallschutzmaßnahmen, wie lärmbezogene Entgelte oder besondere Anflugverfahren, in das Nachhaltigkeitsmanagement einbezogen.

Die Wirtschaftlichkeit eines Flughafens wird durch den erwirtschafteten Gewinn, aber auch durch Faktoren wie etwa die Kundenzufriedenheit oder die Förderung von Innovationen dargestellt. Ökonomische Nachhaltigkeit zeigt sich außerdem in der betrieblichen Altersvorsorge, einer fairen und transparenten Vergütung, in positiven indirekten Einflüssen auf die Region und in nachhaltigen Vergaberichtlinien. Rund 46 Prozent der befragten Flughäfen verbinden den Nutzen der Nachhaltigkeitsmaßnahmen lediglich mit Kosteneinsparungspotenzialen. Dabei zeigen die Ergebnisse der Studie deutlich, dass eine integrative Nutzung aller Nachhaltigkeitsmaßnahmen zu Imageverbesserungen, einer erhöhten Arbeitgeberattraktivität, Wettbewerbsvorteilen und der Zukunftssicherung des Unternehmens beitragen kann.

Im Vergleich zu großen Airports weisen Flughäfen mit weniger als zehn Millionen Passagieren pro Jahr deutlich weniger Konzepte, Standards und Zertifikate der Nachhaltigkeit auf. Die Maßnahmen werden nur isoliert betrachtet, ohne Synergieeffekte auszunutzen. Grenzen der Nachhaltigkeit hingegen sehen rund 81 Prozent der befragten Flughäfen bei dem Einfluss auf andere Unternehmen am Flughafen. Hier gilt es, indirekte Reize des nachhaltigen Handelns zu schaffen, sei es durch aktiven Dialog, Sanktionierung oder Belohnungen.

Nachhaltigkeit ist an den deutschen Airports somit zu einer unverzichtbaren strategischen Komponente der Unternehmensführung geworden. Gefragt ist ein integratives Management aller drei Nachhaltigkeitsdimensionen. Denn es ist abzusehen, dass im Verdrängungswett­bewerb nur diejenigen Flughäfen eine hohe Akzeptanz bei den Stakeholdern haben werden, die sich dieser Herausforderung aktiv stellen. Vorzeigeflughäfen in allen drei Bereichen der Nachhaltigkeit sind Frankfurt und Stuttgart. Insbesondere die eher kleinen Airports müssen sich hier stärker engagieren. Denn Nachhaltigkeit ist an den deutschen Flughäfen mittlerweile mehr Pflicht als Kür.

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Autoren: Prof. Dr. Frank Lasogga, Professor für die Lehrgebiete Marketing und Marktforschung; Benjamin Schwalm, Absolvent M.A. Sustainable Marketing & Leadership; Prof. Dr. Heinz Walterscheid, Studiendekan für Logistik und Handel, alle Hochschule Fresenius.



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