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Lebensmittelllogistik: Rückblick auf das LOGISTIK HEUTE-Forum


SEMINAR


Das LOGISTIK HEUTE-Forum zur Lebensmittellogistik, das in Heidelberg stattfand, beschäftigte sich mit wichtigen Herausforderungen und Trends entlang der Lieferkette.

Der deutsche Lebensmittelmarkt ist in Bewegung. Neue Player wie Amazon Fresh oder Plattformen wie Lokaso, über die Einzelhändler in ihrer Region auch Lebensmittel-Onlinehandel betreiben können, erweitern das Angebotsspektrum. Doch unabhängig von der Art des Lebensmittels und dem Vertriebskanal sind die Hauptanforderungen für die Verantwortlichen in der Lebensmittellogistik identisch: Sie müssen für Sicherheit, Qualität und Rückverfolgbarkeit entlang der Lieferkette sorgen.

Transparenz für die Kunden
Das LOGISTIK HEUTE-Forum „Lebensmittellogistik: Mit frischen Ideen punkten“, das am 14. und 15. September in Heidelberg stattfand, griff die Trends und Herausforderungen aus unterschiedlichen Perspektiven auf. „Lebensmittelhersteller sollten für die Kunden Transparenz herstellen und dies als Wettbewerbsfaktor verstehen“, sagte Benjamin Nitsche, wissenschaft­licher Mitarbeiter im Fachgebiet Logistik der Technischen Universität Berlin. Der Logistik­wissenschaftler gab den Händlern unter den 40 Teilnehmern mit auf den Weg, dass der Ausbau von Lieferkonzepten nach wie vor sinnvoll sei. Und bei den Logistikdienstleistern mahnte er ein frühzeitiges Vordenken neuer Geschäftsfelder und -modelle an. Hier seien die etablierten Unternehmen zum Teil zu langsam gewesen, sagte Nitsche in Bezug auf die Studie „Zukunftstrends der Lebensmittellogistik“, zu deren Autoren er zählt.

Dass Nachhaltigkeit bei Aldi Süd auch eine Frage der Logistik sei, machte An­dreas Kremer, Director Logistics Management, Logistics & Services | Pooling & CR Logistics, deutlich. Der Logistikmanager berichtete, dass Aldi Süd seit Anfang 2017 als erster großer Lebensmittelhändler in Deutschland klimaneutral handelt. Bereits 2016 hatte der Discounter den Lean and Green Star Award erhalten. Mit dem Preis würdigt GS1 Germany Unternehmen, die in der Logistik ihren Kohlendioxidausstoß innerhalb von fünf Jahren um nachweislich mindestens 20 Prozent gesenkt haben. Kremer berichtete auf dem Forum über Erfahrungen in Sachen Nachhaltigkeit und gab auch einen Ausblick. In der Beschaffungslogistik zum Beispiel wolle man das Quellgebietskonzept ausdehnen und Spediteure hinsichtlich dem Vorhalten von Informationen zur Emissions­berechnung sensibilisieren.

Mit Risikomanagement beschäftigte sich Lena El Sayed, Sales and Marketing Manager, Lead Auditor FSSC/ ISO 22000 (IRCA), Eurofins Global Control GmbH: „Solange es Lebensmittel gibt, solange gibt es auch Verfälschungen.“ Nicht alles sei jedoch eine bewusste Verfälschung, wie im Falle eines unabsichtlichen falschen Labelings. Als häufig von Verfälschungen betroffene Produkte nannte El Sayed unter anderem Olivenöl, alkoholische Getränke, Basmatireis, Gewürze oder Milchprodukte. Um eine Ablehnung des Warenimports zu vermeiden, empfahl die Expertin, die Lebensmittel bereits im Ursprungsland kontrollieren zu lassen. Wichtig seien auch Lot-Versiegelungen und Verladekontrollen, betonte El Sayed.

Über Lebensmittellogistik in Krisengebieten referierte Christoph Schäfer, Chief Supply Chain Officer bei Ecolog International aus Dubai. Ohne Mampf kein Kampf: Schäfer erläuterte, wie die Bratwurst unter höchsten Sicherheitsansprüchen aus Europa bis ins Bundeswehr-Camp in Mali geliefert wird. Der Logistikdienstleister Ecolog managt dabei die Lieferkette vom Produzenten bis hin zur Truppenküche, selbst wenn hierfür vor Ort im Krisenland komplette Kühllager aufgebaut und Gelände-Kühl-Lkw organisiert werden müssen.
Dietmar Lenk, Projektmanager und Teamleiter des Bereichs Engineering – Logistik bei der Ferrero-Gruppe, informierte die Forumsteilnehmer, wie der Süßwarenspezialist in Stadtallendorf ein neues Multifunktions-Warehouse für Ferrero Deutschland realisiert hat.  Und Thimo Eckel, Geschäftsführender Gesellschafter der Lokaso GmbH aus Siegen, zeigte, wie sich sein Start-up als „regionales Webkaufhaus“ den gemeinsamen nachhaltigen Onlinehandel für die Region vorstellt.

Am zweiten Veranstaltungstag besichtigten die Teilnehmer Produktion und Logistik bei Capri-Sun in Eppelheim nahe Heidelberg. Capri-Sun-Experte Harald Rohatsch, Director Logistics, Deutsche SiSi-Werke Betriebs GmbH, stellte  dabei „High Frequency Warehousing für Distributions- und Produktionslogistik“ in den Fokus. Im Logistikzen­trum des Getränkeherstellers am Standort, das 2015 in Betrieb ging, zählen die kurze Taktung der Palettenauslagerung aus dem Kanallager und das hohe Maß an Dynamik zu den Highlights.
 
Aus Heidelberg berichtet Matthias Pieringer.



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