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Nachhaltigkeit im Fokus


FACHMESSE

Die FachPack in Nürnberg war nicht nur in Sachen Besucher und Aussteller ein Erfolg. Auch bereits bekannte Themen erlebten einen neuen Höhenflug.

Dass die Nürnberg Messe GmbH, Veranstalter der Verpackungsmesse FachPack, die turnusmäßige Pause der Leistungsschau im Jahr 2017 gut genutzt hat, wurde spätestens am 25. September 2018 – dem Eröffnungstag der FachPack – um kurz vor neun Uhr klar. Bereits zu diesem Zeitpunkt warteten die ersten Besucher der europäischen Verpackungsmesse für Technik, Veredelung und Logistik ungeduldig darauf, in die neu aufgeplanten Hallen des Nürnberger Messegeländes eingelassen zu werden. Bis zum Ende des dritten und letzten Messetages konnten die Macher einen Besucherstrom von insgesamt 45.000 Interessierten verbuchen – ein neuer Rekord für den Veranstalter der Leistungsschau. Zur vorangegangenen FachPack 2016 zählte die NürnbergMesse nur rund 41.000 Gäste.

Neue Bestmarken gab es aber nicht nur zum Abschluss der Veranstaltung zu berichten, sondern bereits im Vorfeld. So präsentierten in den erstmals zwölf belegten Hallen des Messegeländes rund 1.644 Aussteller (2016: 1.542) ihre Anwendungen und Lösungen aus der gesamten Wertschöpfungskette der Verpackungsindustrie. Und das in thematisch neu strukturiertem Umfeld. Pünktlich zur neuen Messerunde hatten sich die Macher der Leistungsschau ein neues Konzept für die Hallenplanung überlegt. Das Ziel: Aussteller mit gleichem Themenspektrum sollten auf dem Gelände nun auch räumlich näher beieinanderliegen, um den Besuchern eine bessere Orientierung zu ermöglichen. So war etwa die Verpackungslogistik 2018 vorwiegend in den Hallen 3, 4 sowie 4A zu finden. Ein Konzept, das bei den meisten Ausstellern und Gästen gut ankam, aber auch auf Kritik stieß. So waren auf Nachfrage von LOGISTIK HEUTE nicht auf Anhieb alle Unternehmen mit ihren neuen Stellplätzen zufrieden, einigen sei es in den Hallen vor allem am ersten Messetag zu ruhig gewesen.

Auf insgesamt 7.000 Zuhörer brachte es indes das Rahmenprogramm der Leistungsschau, das in diesem Jahr ebenfalls mit Neuheiten aufwartete. So hatten die Messemacher eigens für den Wirtschaftszweig Logistik ein neues Diskussionsformat konzipiert: Das „Forum TechBox“ sollte analog zum bereits etablierten Veranstaltungsformat „Forum PackBox“ auf einer eigenen Bühne Themen rund um Verpackungslogistik, Digitalisierung, Automatisierung und Nachhaltigkeit in den Fokus stellen. Und das mit prominenter Unterstützung. So kooperierte die Messegesellschaft für die Veranstaltungsreihe mit dem Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML, dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS sowie dem Fraunhofer-Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV. Mit im Boot waren außerdem der Industrie-Verband der AutoID-Experten AIM sowie der Verein zur Förderung innovativer Verfahren in der Logistik (VVL).

Neue Voraussetzungen
Eines der vor Ort diskutierten Themen – die Nachhaltigkeit in der Verpackungsindustrie – avancierte über die drei Messetage hinweg zum Bestseller der Leistungsschau. Keine ganz neue Thematik, die in diesem Messejahr allerdings unter neuen Voraussetzungen ein Comeback erlebte. Seien es verbesserte Verfahren und Maschinen zur Verarbeitung biobasierter Kunststoffe, der Einsatz neuartiger Materialien oder der Druck durch das drohende Plastikverbot der EU beziehungsweise das neue Verpackungsgesetz: Die FachPack zeigte, dass der Markt nicht nur neue Lösungen bringen muss, sondern diese bereits im Portfolio hat.

In diesem Sinne gab es kaum ein Unternehmen, das nicht eine Anwendung im Gepäck hatte, die zu einem ressourcenschonenden Verpackungs-, Lagerungs- oder Transportprozess beitragen soll. So stellte der Verpackungs- und Maschinenanbieter Automated Packaging Systems (APS) in Nürnberg neben konventionellen Produkten auch Beutelverpackungen vor, die auf sogenannter GeoTech-Folie basieren und eine umweltfreundliche Alternative zu herkömmlichen Polyethylenfolien sind. Wie der Hersteller im Rahmen einer Vorführung verriet, sei das eingesetzte Material oxo-biologisch abbaubar und zerfalle unter dem Einfluss von Luftsauerstoff und Mikroorganismen innerhalb von einem bis fünf Jahren vollständig. Neben der Beutelverpackung, so APS, kann das Material auch zur Herstellung von Luftpolsterfolie oder Luftpolstern verwendet werden.

Im Bereich Logistik und Transport warteten gleich mehrere Aussteller mit Boxen- und Behälterlösungen auf, die flexibel sind und sich beispielsweise platzsparend zusammenfalten lassen. Damit sollen vor allem im Lager selbst, aber auch beim Transport von Ladungsträgern von A nach B Ressourcen und Kosten eingespart werden. Eine dieser Lösungen präsentierte etwa der niederländische Behälterhersteller Schoeller Allibert im Rahmen einer Messepremiere. Mit „Magnum Optimum 1208“ zeigte das Unternehmen einen faltbaren Großladungsträger, der auf dem Maß einer Standard-Europalette basiert und über ein Baukastensystem der jeweiligen Anwendung angepasst werden kann. Der Auf- und Abbau sei durch eine Person zu bewerkstelligen, wie Schoeller Allibert erklärte. Das soll die Handhabung von Leergut vereinfachen und Kohlendioxidemissionen beim Transport reduzieren.

Faltbar und effizient
Ähnliche Lösungen waren auch an den Messeständen der Mitbewerber zu sehen. So präsentierte der belgische Anbieter Smart-Flow in Zusammenarbeit mit seinem Schwesterunternehmen Gamma-Wopla den faltbaren Großladungsträger „Smart Sleevepack SF800TB2“, der ohne zusätzliche Endverpackungen, Plastikfolien sowie Bänder genutzt werden kann und am Ende des Produktlebenszyklus komplett recycelbar ist. Dass Nachhaltigkeit auch eine Materialfrage sein kann, war am Stand des Boxen- und Palettenherstellers Walther Faltsysteme zu sehen. Das Unternehmen mit Sitz in Kevelaer präsentierte in Nürnberg seine neu entwickelte „Biofaltbox“, die zu 93 Prozent aus nachwachsenden Rohstoffen besteht.

Um nachhaltige Materiallösungen im Bereich der Produktverpackung ging es indes beim Deutschen Verpackungspreis 2018, der anlässlich der FachPack in neun Kategorien an die Gewinner vergeben wurde. Zwei Sonderpreise des Awards – die Verpackungspreise in Gold – gingen dabei diesmal an Hersteller, die jeweils ressourcenschonende oder leicht zu recycelnde Kunststoffverpackungen gestaltet haben. Die Schur Flexibles Group hat eine Tiefziehverpackung entwickelt, die aus nur einem Polyolefin-Monomaterial hergestellt wird, statt aus unterschiedlichen Kunststoffarten.

Der Waschmittel- und Reinigungshersteller Seepje wiederum hat einen anderen Weg beschritten. Gemeinsam mit dem niederländischen Verpackungshersteller Hordijk Verpakkingen hat das Unternehmen mit Sitz in Den Haag eine Waschmittelverpackung kreiert, die zu 97 Prozent aus recyceltem Polyethylen besteht. Notwendige Produktinformationen sind nicht aufgedruckt, sondern auf einer Papierbanderole abgefasst. Zum Recyceln können die Flasche sowie die Banderole einfach voneinander getrennt werden.

Eine Vielzahl von Anwendungen und Lösungen, die der MesseNürnberg GmbH nach eigenen Angaben den Stellenwert des Themas Nachhaltigkeit in der Verpackung verdeutlicht hatten. Wie Cornelia Fehlner, Veranstaltungsleiterin der FachPack, am zweiten Messetag im Rahmen einer Pressekonferenz bekannt gab, wird umweltgerechtes Verpacken über alle Prozessschritte hinweg 2019 im Mittelpunkt der FachPack stehen und vom 24. bis 26. September kommenden Jahres auf dem Nürnberger Messegelände als Leitthema dienen.
Aus Nürnberg berichtet Sandra Lehmann.

 

KOMMENTAR:

Nachhaltige Verpackung: Dranbleiben könnte sich lohnen
Mit Trends ist das ja so eine Sache: So schnell wie sie da sind, sind sie meistens auch schon wieder weg. Der Nachhaltigkeit – dem Top- und gleichzeitig Überraschungsthema der diesjährigen FachPack – ist es bereits so ergangen. So wird umweltgerechtes Verpacken zwar seit Jahren immer wieder diskutiert, den großen Durchbruch gab es bisher aber nicht. Das könnte sich nun allerdings ändern. Und das nicht nur, weil bis 2050 mehr Plastikteile in unseren Ozeanen schwimmen könnten als Fische. Sondern auch deshalb, weil die FachPack bewiesen hat, hat es anders geht. Egal ob Produktverpackung, Ladungsträger oder Sekundärverpackung: In allen Bereichen der Messe waren 2018 serienreife Lösungen für mehr Nachhaltigkeit zu bestaunen. Keinen Moment zu früh. Denn mit dem neuen Verpackungsgesetz, das 2019 in Kraft tritt, und dem drohenden Plastikverbot der EU kommt einiges auf Hersteller und Anbieter zu. Dranbleiben könnte sich lohnen Das kann allerdings nur der Anfang sein, wie Immo Sander, Head of Packaging Development beim Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz, anlässlich eines Messevortrags sagte. Das für die Marke Frosch bekannte Unternehmen bemüht sich bereits seit mehreren Jahren darum, Kunststofflösungen zu entwickeln, die auch umweltverträglich sind. Lange stand der Anbieter damit mehr oder minder alleine da. Und auch wenn immer mehr Mitbewerber auf den Nachhaltigkeits-Zug aufspringen, ist die europäische Verpackungswirtschaft noch lange nicht am Ziel. Das wird sie erst sein, wenn aus den Insellösungen vieler Unternehmen gemeinsame Anwendungen und einheitliche Verpackungsstandards werden – in der Produktverpackung genauso wie in der Verpackungslogistik. Das könnte sich dann nicht nur für die Umwelt und die Weltmeere lohnen, sondern auch für die Anbieter selbst. Denn, wie Werner & Mertz es seit Jahren vorlebt, können Hersteller mit einer guten grünen Strategie durchaus ökonomisch erfolgreich sein.
Sandra Lehmann



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