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Fit für heute und morgen sein


SEMINAR

Das LOGISTIK HEUTE-Forum Lebensmittellogistik 2018 beschäftigte sich mit der wachsenden Bedeutung des Onlinehandels, neuen Logistikkonzepten von Start-ups sowie den Kernanforderungen im Lebensmittelbereich.

Lebensmittel online shoppen – das möchten mehr als 40 Prozent der Deutschen in den kommenden zwölf Monaten tun, wie die Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft PwC Anfang 2018 als Ergebnis einer Befragung von 1.000 Konsumenten gemeldet hatte. 15 Prozent bestellen, so eine weitere Erkenntnis, bereits mehr als die Hälfte ihrer Lebensmittel online. Damit stehe der Online-Lebensmittelmarkt in Deutschland vor dem Durchbruch, hieß es seitens PwC damals. Aktuelle Zahlen bestätigen den Wachstumstrend: Laut dem Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland (bevh) bescherte die hohe Akzeptanz für das Warensegment Lebensmittel dem dritten Quartal 2018 einen Onlineumsatz von 353 Millionen Euro (inklusive Umsatzsteuer). Das ist im Vergleich zum Vorjahresquartal ein Plus von 21 Prozent.

Auch das LOGISTIK HEUTE-Forum „Lebensmittellogistik: Fit für heute und morgen“, das am 25. und 26. Oktober in Recklinghausen und Marl über die Bühne ging, setzte sich mit der wachsenden Bedeutung des Lebensmittel-Onlinehandels auseinander. So berichtete Frederic Knaudt aus dem Gründerteam des Online-Supermarkts Picnic in Deutschland, wie die Logistik des „modernen Milchmanns“ funktioniert.

Der Online-Supermarkt Picnic, der aus den Niederlanden stammt und hierzulande bislang in einigen Gebieten Nordrhein-Westfalens ausliefert, setzt auf ein ausgeklügeltes Letzte-Meile-Konzept mit Kunden-App, 20-Minuten-Zeitfenster und eigens entwickelten Elektro-Vans, wie Knaudt berichtete. Mit dem Konzept, das rote Boxen für Ungekühltes und schwarze Boxen für alles, was gekühlt werden muss, vorsieht, behält Picnic laut Knaudt auch die Logistikkosten im Griff (siehe Interview in LOGISTIK HEUTE 7-8/2018).

Wie ein Münchner Start-up die Citylogistik neu gestaltet – so lautete das Thema von Stefan Müllers Vortrag. Der Geschäftsführer von QOOL collect berichtete über das Konzept der Abholstationenseines Start-ups, an die sich die Kunden auch gekühlte und ungekühlte Lebensmittel liefern lassen können. Bislang gibt es fünf Abholstationen in der bayerischen Landeshauptstadt – eine liegtzum Beispiel direkt am viel befahrenen Mittleren Ring.

Punkt für die Konsolidierung
„Die Abholstationen sind ein Konsolidierungspunkt für alle Onlinebestellungen“, sagte Müller. Mit QOOL collect solle dem Handel ein hochwertiges offenes Click & Collect-System und den Konsumenten ein komplettes Dienstleistungspaket für den Warenerhalt angeboten werden. Als einen Trumpf nannte er die „extralangen Öffnungszeiten“ der Abholstationen, montags bis samstags von sieben bis 23 Uhr (siehe LOGISTIK HEUTE 1-2/2018, S. 40/41).

Zu groß, zu klein, zu krumm, nicht der Norm entsprechend oder mit auslaufendem Mindesthaltbarkeitsdatum – Millionen Tonnen von Lebensmitteln gehen in Deutschland jedes Jahr verloren. Das Berliner Start-up SirPlus hat es sich auf die Fahnen geschrieben, Lebensmittel in den Kreislauf zurückzuführen. Das Jungunternehmen verkauft überschüssige Waren in der Hauptstadt in sogenannten Rettermärkten und deutschlandweit über seinen Onlineshop.

„Wir wollen das Retten von Lebensmitteln zum Mainstream machen“, sagte Mira Raab, Head of Business Development bei SirPlus. Sie erläuterte auf dem Forum, dass die Logistik von stark variierenden Mengen geprägt sei, die erst bei der Abholung der Lebensmittel – zum Beispiel bei den Produzenten – oder kurze Zeit vorher bekannt seien. Überschussprodukte seien häufig Produktneueinführungen, ungewöhnliche und unbekannte Artikel oder Sorten. „Neugierige Kunden sind gefragt“, betonte Raab. 800 Tonnen Lebensmittel habe SirPlus seit September 2017 in den Kreislauf zurückbringen können.

Die Veranstaltung zeigte aber nicht nur, wie Start-ups im Lebensmittelbereich ihre Geschäftsmodelle gestalten und wie sich die Newcomer in der Logistik positionieren, sondern beleuchtete auch die Kernanforderungen Qualität, Sicherheit, Rückverfolgbarkeit und Nachhaltigkeit entlang der Lieferkette.

Tim Albrecht, Leiter Supply Chain Management bei der J.J.Darboven GmbH & Co. KG, berichtete, wie die traditionsreiche Kaffeerösterei auf Planungssicherheit setzt. Zum Einsatz kommt eine Lösung für die Bestandsoptimierung. Es handele sich in erster Linie nicht um ein Softwareprojekt, sondern um ein Change-Projekt, verdeutlichte der SCM-Experte des Heißgetränkespezialisten. „Sie brauchen eine Organisation, die das Ganze trägt, und einen Softwarepartner, der Sie versteht“, gab Albrecht den rund 50 Forumsteilnehmern für eigene Vorhaben mit auf den Weg.

Ressourcen schonen
Nachhaltigkeitschancen für Produzenten, Dienstleister und Konsumenten durch Local Food nahm Klaus Krumme unter die Lupe. Der Geschäftsführer des Zentrums für Logistik und Verkehr (ZLV) an der Universität Duisburg-Essen griff dabei ein Geschäftsbeispiel aus der Region Linz in Österreich auf. Die Pilotanwendung zwischen NETs.werk, einer Plattform für regional erzeugte Bio-Lebensmittel, und dem Logistikdienstleister Schachinger Logistik, drehte sich darum, der Kundschaft einen Zustellservice als Option anzubieten (Auslieferung mit Elektrofahrzeugen, um für eine emissionsfreie letzte Meile zu sorgen). „Ein großer Hebel für den Klimaschutz liegt darin, wie sich Konsumenten auf den Weg machen, um etwas abzuholen“ oder eben, wie sie Waren geliefert bekommen, machte Krumme deutlich. Lokale Bio-Lebensmittel und eine emissionsfreie letzte Meile seien ein Best-Practice-Beispiel dafür, wie Kundenbedürfnisse möglichst ressourcenschonend befriedigt werden können.

Die Pilotanwendung spielte auch eine wichtige Rolle im Forschungsprojekt „ILoNA – Innovative Logistik für nachhaltige Lebensstile“ der Uni Duisburg-Essen (siehe LOGISTIK HEUTE 6/2018, S. 48/49). Das in diesem Jahr abgeschlossene Forschungsvorhaben rückte als eine Fragestellung in den Fokus: „Wie sollten innovative Logistikdienstleistungen gestaltet sein, die sowohl sozio-ökologischen Anforderungen gerecht werden als auch nachhaltige Lebensstile von Konsumenten fördern und ermöglichen?“ Logisti kdienstleister, sagte Krumme, würden dabei in Zukunft noch stärker zum Intermediär werden.
Aus Recklinghausen und Marl berichtet Matthias Pieringer.
Bilder: Pieringer; Seebauer

Besichtigung bei Metro Logistics in Marl
Am zweiten Veranstaltungstag machten sich die Teilnehmer des LOGISTIK HEUTE-Forums auf den Weg zum neuen Logistikzentrum Marl von Metro Logistics. Die Metro Logistics Germany GmbH ist der interne Logistikdienstleister von Metro und Real für Deutschland sowie in der Beschaffungslogistik auch für einige Nachbarländer. Standortleiter Oliver Mazat berichtete gemeinsam mit seinem Metro-Logistics-Kollegen Peter Kaleck über das Logistikzentrum Marl als neues Herzstück der Lagernetzwerkstrategie von Metro Logistics. Auf 600.000 Quadratmetern Grundstück bieten zwei Gebäudekomplexe eine Lagerfläche von 225.000 Quadratmetern sowie 10.000 Quadratmeter Sozial- und Büroräume. Die Ausgangslage 2015 waren bundesweit 13 Lagerstandorte. Die Ziele der neuen Lagernetzwerkstrategie lagen darin, ein höheres Maß an Zentralisierung über alle Sortimente zu erreichen, unproduktive Flächen an Altstandorten aufzulösen und für eine stärkere Transportauslastung durch Konsolidierung an möglichst geostrategisch optimalen Standorten zu sorgen. Nach Abschluss der Neuausrichtung 2018 verbleiben acht Standorte, davon sind die Logistikzentren Marl im Ruhrgebiet und Kirchheim (Weinstraße) Neubauten. Die Bauzeit für den Standort Marl reichte von Oktober 2016 bis März 2018. Es handelt sich um eine Kombination aus Brownfield- und Greenfield-Entwicklung. Investor und Bauherr ist die Goodman Germany GmbH. Drei Temperaturbereiche sind in Marl abgebildet. Bei der Kommissionierung nutzen die Mitarbeiter am Standort ein Pick-by-Voice-System. Für das Logistikzentrum Marl sind mehr als 1.000 Mitarbeiter vorgesehen.



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