Werbung

Maritimen Lieferketten auf die Sprünge helfen


START-UPS

Das Karlsruher Start-up Aquaplot hilft mit seiner Software maritimen Lieferketten auf die Sprünge. Warum das Jungunternehmen dabei nichts von Besitzdenken hält.

Eigentlich würde man das Karlsruher Jungunternehmen Aquaplot eher an der Küste vermuten als mitten in Baden-Württemberg – denn das Start-up möchte mit seiner Software vorwiegend maritime Lieferketten flexibler gestalten und den Seeweg für Containerschiffe sicherer machen. Eine Idee, die Gründer und Managing Director Henning Grimm von einem seiner eigenen Segeltörns mitbrachte. „Nach dem Studium habe ich mit sechs Vereinskollegen den Atlantik überquert. Dabei sind wir irgendwann in einen schweren Sturm geraten, der uns fast zum Verhängnis geworden wäre. Mit einem geeigneten und schnellen Frühwarnsystem hätten wir das Unwetter umschiffen können. Eine Marktlücke, die wir gerne schließen wollten“, erklärt der Jungunternehmer.

Google Maps für Schiffe

Zurück an Land beginnt er deshalb am Karlsruher Institut für Technologie eine Art Google Maps für die Schifffahrt zu entwickeln. Die Software rechnet dabei anhand verschiedener Datenquellen wie der Schiffsposition und der veranschlagten Route aus, wie hoch die Kosten für die Fahrt sind und welche Emissionswerte dabei anfallen. Angewendet auf die Schiffsflotte einer Reederei oder das Portfolio an Dienstleistern findet der Nutzer auch das passende Schiff für seine Ladung. Und das innerhalb weniger Millisekunden. „Die Auswertung von Daten für die Schifffahrt ist an sich ein alter Hut. Bisher hat das Ganze jedoch verhältnismäßig lange gedauert und war im Einzelfall nicht sehr zuverlässig. Aquaplot kann hingegen nicht nur große Datenmengen schnell auswerten, sondern auch mit einer sehr hohen Trefferquote. Natürlich vorausgesetzt, es gibt eine vernünftige Datenbasis“, sagt Grimm.
Und damit soll das Portfolio des Jungunternehmens noch lange nicht ausgeschöpft sein. Weil das Wetter auf hoher See nicht nur Seglern wie Grimm schnell zum Verhängnis werden kann, sondern auch immer wieder Grund großer Havarien ist, möchte Aquaplot zukünftig auch diesen Faktor in die Berechnungen einbeziehen. „Wir arbeiten derzeit daran, Wetterdaten in Echtzeit auf die Routenplanung anwenden zu können – also Werte wie Strömung, Eisdicke und Hurrikanwarnungen einfließen zu lassen“, verrät der Gründer.
Das soll nicht nur schwere Unfälle verhindern, sondern auch anderen Unternehmen Innovationen ermöglichen. „Wir möchten nicht auf unserem Herrschaftswissen sitzen bleiben. Deshalb kann unsere Lösung nach dem Kauf von jedem Kunden oder auch von Wettbewerbern auf unserer Homepage heruntergeladen und ins eigene System integriert werden“, so Grimm. „Manchmal fehlt einer anderen Lösung ja genau der Baustein, den wir anbieten. Statt langwieriger Verhandlungen, setzen wir auf Offenheit und Transparenz.“

Mehr Offenheit für alle

Eine Einstellung, die dem frischgebackenen Familienvater im Bereich Logistik noch fehlt. „Mehr Offenheit könnte dem Wirtschaftszweig dabei helfen, die Digitalisierung schneller voranzutreiben. Die Zusammenarbeit zwischen etablierten Unternehmen und Start-ups sollte deshalb mehr wachsen als bisher.“ Dafür stellt Aquaplot bereits jetzt die Weichen und setzt vorwiegend auf Self Service und Maschine-zu-Maschine-Kommunikation. Das soll Barrieren abbauen und bei Ansprechpartnern für mehr Vertrauen sorgen. Transparenz gilt für Grimm daher auch in Bezug auf die Preispolitik.
„Unsere Angebote kosten für alle gleich. Es gibt keine Sonderverabredungen. Nur wenn ein Kunde zusätzliche Beratung in Sachen Supply Chain Management oder technische Anwendung wünscht, berechnen wir das natürlich zusätzlich. Insgesamt lässt sich aus unserer Sicht das Wettbewerbsproblem verkleinern.“ Und die Strategie scheint aufzugehen. Bereits ein Jahr nach der Markteinführung betreut das Unternehmen 5.000 Nutzer in 130 Ländern. Sandra Lehmann



Logistik-Themen mit ähnlichen Inhalten...

 

© 2018 HUSS-VERLAG GmbH München | Alle Rechte vorbehalten