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Gast-Kommentar | LOGISTIK HEUTE-Magazin Nr.5 / 2015

Textile Ketten: Warum es Sinn macht, Leistungen zu verbessern


Zugegeben, die technischen Herausforderungen in der Chemie oder Metallindustrie, dem Fahrzeugbau oder dem IT-Bereich sind wesentlich höher als in der Produktion von Textilien. Und damit verbunden ist das Lohnniveau in dieser Branche wesentlich niedriger.


Warum das dann aber dazu verführt, die niedrigen Löhne mit der Abwesenheit weiterer Leistungen für Gesundheit, Ernährung, Bildung und Sicherheit zu koppeln, bleibt die zu lösende Frage. Ohne diese Leistungen kommt es zu Arbeitsunfällen, Lieferverzögerungen und -ausfällen sowie häufigen Arbeitsplatzwechseln. Und die Arbeitnehmer sind immer auf der Suche nach dem Besseren – andererseits ist es für die Arbeitgeber immer ein Weg zum Schlechteren. Sie müssen neue Arbeitnehmer anwerben, anlernen, einarbeiten und schließlich in die Abläufe integrieren. Das alles kostet Zeit, Geld und vor allem Produktivität. Und gerade die fehlende Ausschöpfung von Produktivitätspotenzialen kostet Umsatz und Ertrag.


Erfolgreiche Produzenten von Textilien mit Umsätzen von 50 bis 250 Millionen US-Dollar haben das längst erkannt und bieten ihren Arbeitnehmern neben einem guten Einkommen, Renten- und Krankenversicherungen auch Gesundheits- und Bildungsangebote für die ganze Familie an. Sie haben umgesetzt, was Paul Krugman unlängst wieder in der „New York Times“ schrieb: „Wenn man Arbeitnehmer besser bezahlt, bleiben sie länger im Unternehmen, die Moral ist besser und sie sind produktiver.“


Es wäre also angebracht, wenn diese Unternehmer ihren Mitstreitern im jeweiligen Markt aufzeigen, was neben dem unternehmerischen Geschick sehr wesentlich für den langfristigen Erfolg ist: ein guter Umgang mit den Arbeitnehmern. Darüber hinaus sollten Marken- und Einzelhandelsunternehmen bei den Textilproduzenten die Sicherstellung von Mindestanforderungen und die fortdauernde Verbesserung ganz vordringlich und vertrauensvoll einfordern. Denn hier gilt: Bessere Arbeitsbedingungen erhöhen die Lieferzuverlässigkeit.


Schließlich sei an die geschichtliche Aufgabe des Westens erinnert, „all jenen Entwicklungsländern zu helfen, sich im Rahmen einer freiheitlichen Wirtschafts- und Sozialordnung aus Not und Armut zu befreien“, wie es Ludwig Erhard vor mehr als fünfzig Jahren als Aufgabe für die Politik formulierte.



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