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Den Auftrag im Blick


KOMMISSIONIERUNG

Der Audiospezialist Sennheiser und sein Dienstleister Arvato SCM Solutions bauen auf Innovationen in der Logistik. Bei Schubkarrenprozess und Gassenscan kommt am Standort Gütersloh eine Datenbrillen-Lösung zum Einsatz.

Das Arvato-Betriebsgelände „An der Autobahn“ in Gütersloh: In einer knapp 10.000 Quadratmeter großen Lager- und Distributionshalle stellt der Dienstleister Arvato SCM Solutions Logistikservices für Sennheiser bereit. Sennheiser, Hersteller von Mikrofonen, Kopfhörern und drahtlosen Übertragungssystemen, vertraut bereits seit 2014 auf die Dienste von Arvato. Die Bertelsmann-Tochter verschickt aus der eigens für diese Zwecke erbauten Logistikhalle in Gütersloh Kopfhörer und Audio-Equipment für die professionelle Anwendung an Sennheiser-Kunden. Zum Kundenkreis zählen professionelle Musiker, Musikfachgeschäfte, Distributoren, Einzelhändler, Systemintegratoren, Toningenieure und Tonstudios. Außerdem übernimmt Arvato zum Beispiel auch Dienstleistungen im Bereich Konfektionierung oder Funktionstests von Geräten.

Arvato betreibt – mit einheitlicher IT-Struktur – für die Logistik von Sennheiser drei globale Distributionszentren: eines in Hongkong, eines in der Nähe von Chicago sowie den Standort in Gütersloh in Nordrhein-Westfalen. Gütersloh ist auch der Schauplatz, an dem Arvato SCM Solutions 2015 in Zusammenarbeit mit dem Technologieanbieter Picavi GmbH und Sennheiser das Innovationsprojekt „Pick-by-Vision“ entwickelt hat. Bei Pick-by-Vision werden dem Kommissionierer die für seine Aufgabe relevanten Informationen über eine Datenbrille ins Sichtfeld eingeblendet. Nach gemeinsamen Überlegungen gab der Audiospezialist den Startschuss und wählte auch den ersten Logistikprozess mit aus, der mithilfe der Augmented-Reality-Lösung erledigt werden sollte: „Wir haben zunächst die technische Machbarkeit geprüft. Die Wahl fiel dann auf einen einfacheren operativen Vorgang, den Schubkarrenprozess“, berichtet Alexander Jeske, verantwortlich für das Innovationsmanagement im Geschäftsbereich Hightech & Entertainment bei Arvato SCM Solutions.

Im Schubkarrenprozess wird die Ware in einen großen Kommissionierwagen, die sogenannte Schubkarre, kommissioniert. Die Kommissionierer haben dabei jeweils eine Verpackungseinheit zu picken, daher ist pro Orderline nur ein Scan nötig. Die Datenbrillen-Lösung, die mit Arvatos globaler SAP-Plattform verbunden ist, führt dem Kommissioniermitarbeiter Artikel, die zu entnehmende Menge und Lagerplatz vor Augen. Wenn der Mitarbeiter den richtigen Lagerplatz erreicht hat, scannt er den benötigten Artikel mit dem Ringscanner und legt die Ware dann direkt in die „Schubkarre“.
 

In User-Interface investiert

In der Anfangszeit des Innovationsprojekts Pick-by-Vision hatte Arvato noch über die Kamera der Datenbrille die Produkte erfasst. Das bedeutete auch, dass das zu scannende Produkt in etwa auf Augenhöhe gehalten werden musste, was sich als nicht optimal herausstellte. 2017 entschied sich der Logistikdienstleister, in neue, weiterentwickelte Datenbrillen-Technologie und ein verbessertes User-Interface zu investieren. In diesem Zuge wurden auch Ringscanner für die Barcodeerfassung angeschafft, welche die Mitarbeiter am Finger tragen.

Im Februar 2018 zog Arvato den Vergleich. Wie vermutet, erwies sich das Scannen als Flaschenhals. „Verglichen mit den anderen Datenerfassungsgeräten, die wir im Einsatz haben, sind wir mit der Pick-by-Vision-Lösung – inklusive Ringscanner – im Schubkarrenprozess um 15 bis 18 Prozent schneller“, sagt Thomas Becker, Executive Vice President High-
tech & Entertainment bei Arvato SCM Solutions. „Der Kommissionierer hat nicht nur die Hände frei, sondern die Informationen auch vor Augen – anders als zum Beispiel bei Pick-by-Voice. Sollte dem Mitarbeiter bei dieser sprachgeführten Methode der Auftrag einmal entfallen sein, muss er ihn sich nochmals ansagen lassen, was Zeit kostet.“

Derzeit hat Arvato in Gütersloh vier Datenbrillen der neuesten Generation im Einsatz. Der Schubkarrenprozess erstreckt sich für die Mitarbeiter nicht über eine gesamte Schicht. Vielmehr wechseln sie, nachdem sie die Aufträge erledigt haben, in andere Kommissionierprozesse, die aktuell nicht Datenbrillen-gestützt sind.

„Wir freuen uns sehr, dass wir mit Arvato einen Dienstleister an unserer Seite haben, der nicht nur unsere Auffassung in Sachen Innovation und gemeinschaftlicher Weiterentwicklung teilt, sondern auch in die tatsächliche Umsetzung investiert“, sagt Günther Maaß, Global Logistics Manager bei Sennheiser. Laut Arvato-Experte Becker haben der Audiospezialist und der Logistikdienstleister eine große Schnittmenge in der Philosophie – für Sennheiser sei es wichtig, dass die Partner genauso innovativ denken wie man selbst. „Es ging im Innovationsprojekt Pick-by-Vision von Anfang an nicht um Quick-Wins, sondern um das Weiterentwickeln“, erläutert Becker. Nachdem die Datenbrillen-Lösung für den Schubkarrenprozess erfolgreich umgesetzt war und Arvato den wirtschaftlichen Mehrwert aufzeigen konnte, machte sich der Logistikdienstleiter daher daran zu prüfen, welche weiteren Einsatzmöglichkeiten es für Pick-by-Vision geben könnte.
 

Gute Erfahrungen gemacht

Sennheiser und Arvato machten den sogenannten Gassenscan dafür aus: Dabei geht es darum, die zu versendende Ware für die Carrier auf die Paletten zu packen und zu scannen. Anders als beim Schubkarrenprozess nimmt der Logistikdienstleister beim Gassenscan nicht die Produktivitätssteigerung in den Fokus, sondern das Vermeiden von Fehlern. Über die Datenbrille wird dem Mitarbeiter die zu erfassende Gasse angezeigt, dank dem Ringscanner hat er beide Hände frei und kann die auf Paletten zu packenden Pakete besser greifen. „Wir haben bereits sehr gute Erfahrungen gemacht“, sagt Jeske. Um Zahlen nennen zu können, sei es aber noch zu früh. Das Feedback der Kollegen im Kommissionierbereich zur Augmented-Reality-Lösung sei „mittlerweile durchweg positiv“, berichtet der Arvato-Fachmann. Durch die letzten Änderungen seien Motivation und Akzeptanz nochmals stark gestiegen, „der Mehrwert und die Prozessunterstützung werden wahrgenommen“. Becker ergänzt: „Wir werden im Bereich Hightech & Entertainment von Arvato SCM Solutions weiterhin prüfen, in welchen Geschäften und Prozessen und an welchen Standorten Pick-by-Vision weiterhelfen kann.“
Matthias Pieringer

Sennheiser

Das 1945 gegründete Familienunternehmen Sennheiser mit Sitz in Wedemark bei Hannover ist Hersteller von Kopfhörern, Mikrofonen und drahtloser Übertragungstechnik. Sennheiser ist mit 21 Vertriebstochtergesellschaften und langjährigen Handelspartnern in mehr als 50 Ländern aktiv. Der Audiospezialist mit seinen rund 2.800 Mitarbeitern verfügt über eigene Produktions- standorte in Deutschland, Irland und den USA. Der Umsatz der Sennheiser-Gruppe betrug 2016 insgesamt 658,4 Millionen Euro.



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