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Quo vadis Ersatzteillogistik 2025?


ANALYSE

Eine neue Untersuchung der DHBW Mosbach zeigt Entwicklungen und Trends auf.

Welche speziellen logistischen und welche branchenübergreifenden Trendentwicklungen wirken auf die Ersatzteillogistik? Der Beantwortung dieser Frage mit einem Fokus bis 2025 ging die DHBW Mosbach in einer aktuellen Untersuchung nach. Für produzierende Unternehmen mit eigenem Ersatzteillogistikbereich ist es in Zeiten von Digitalisierung und Logistik 4.0 erfolgskritisch, solche Trends in ihre strategischen Entscheidungen mit einzubeziehen. Insgesamt zeigten sich mit der Untersuchung einige neue Erkenntnisse, aber auch ein hoher Forschungsbedarf.

Der methodische Einstieg zur Untersuchung war zunächst die Auswertung einschlägiger Tagungen und Konferenzen. So konnten heutige Prozessstandards, Optimierungsansätze und Herausforderungen der logistischen Teildisziplin erfasst werden. Der gewonnene praxisorientierte Zugang zur Ersatzteillogistik wurde dann erweitert um eine State-of-the-Art-Recherche der wissenschaftlichen Literatur, wobei ein Fokus auf heute erkennbare Innovationen und Trends lag.

Im nächsten Schritt wurden die einzelnen Aspekte thematisch geclustert. So ergaben sich die Felder „Transparenz und Digitalisierung“, „Geschäftsmodell, Kundenerwartung und Hochverfügbarkeit“, „Big-Data-Methoden und Predictive Maintenance“, „Weiterentwicklung der Intralogistik“, „Autonome Flug- und Fahrzeuge“ sowie „3-D-Druck“. In einem letzten Schritt wurden die identifizierten Felder gemeinsam mit erfahrenen Experten aus der Ersatzteillogistik in persönlichen Interviews evaluiert und tiefer untersucht. Ein offen gestalteter Teil der Experteninterviews ermöglichte zudem die Aufnahme neuer, relevanter Entwicklungen in die Ergebnisse.

Ein erstes Fazit der Untersuchung der DHBW Mosbach ist, dass der Wandel der Ersatzteillogistik im Zeitalter der vierten industriellen Revolution besonders von einer Transformation der Logistikkette durch Digitalisierung und dem Anstreben von Transparenz geprägt ist. Hierdurch entstehen für Unternehmen große Optimierungspotenziale in puncto erhöhter Effizienz und zuverlässigerer Leistungserbringung gegenüber dem Kunden. Die Orientierung an den Kundenbedürfnissen ist auch aus einer weiteren Perspektive als Kernaspekt zu sehen: Das Aftersales-Geschäftsmodell in B2B-Märkten befindet sich in einem Wandel hin zum Anbieten von abgestuften Servicepaketen.

Entsprechend entfällt der Kauf einzelner Ersatzteile durch den Kunden, da dieser zunehmend nicht mehr bereit ist, sich an der Erhaltung der Verfügbarkeit des Primärprodukts durch eigene Sicherheitsbestände zu beteiligen. Aus der Kundenperspektive zählt nur noch der Einsatz eines Produkts zu eigenen unternehmerischen Zwecken, und dies zu vorab bekannten Gesamtkosten!

Zugleich wird es neue, digitale Geschäftsfelder geben, und die Erwartungen an die logistischen Leistungen werden weiter steigen. Für Zukunftsszenarien wie den Einsatz von autonomen Transportmitteln wie Flugdrohnen hingegen sind die ermittelten Potenziale vor dem Zeithorizont bis 2025 geringer, was insbesondere durch gesetzliche Hürden in Deutschland begründet ist. Die Entwicklung wird hierbei zwar immer schneller, aber noch immer sukzessive ablaufen.

Hohes Potenzial für einschneidende Veränderungen bieten additive Fertigungsverfahren wie der 3-D-Druck. Die technische Entwicklung hat hier in den letzten Jahren wesentliche Fortschritte gebracht. 3-D-Druck macht es denkbar, die konventionellen Ersatzteillogistikketten tief greifend umzustrukturieren oder gar zu ersetzen. In der Auswertung der Experteninterviews zeigte sich jedoch, dass die Ersatzteillogistik durch 3-D-Druck in einem absehbaren Zeitraum nicht substituiert wird. Vielmehr handelt es sich bei diesem Fertigungsverfahren um eine Technologie, die heute nur für ausgewählte Ersatzteile – vor allem Teile mit niedrigem Verbrauch sowie in der Nachserienphase zu fertigende Teile – geeignet ist. Dadurch zeichnet sich die stärkere Verbreitung der 3-D-Technologie als ergänzendes Herstellungsverfahren ab. Die konkrete Integration in heutige Strukturen und Netzwerke ist dabei noch offen.

Die Kernidee, mithilfe additiver Fertigungsverfahren näher an den Kunden zu rücken, konkurriert in dieser Fragestellung mit dem Ansatz, auf „Druck-Dienstleister“ zurückzugreifen, die durch zentrale Bündelung eine höhere Auslastung sowie Wirtschaftlichkeit erreichen. Richtungsweisend ist hierbei, dass mittelfristig die für das Verfahren qualifizierten Ersatzteilumfänge in der Regel zu gering für dezentrale Umsetzungen sind. Die erforderlichen digitalen Modelle müssen durch die Konstruktionsabteilungen zunächst angepasst werden. Bestimmte Vorteile wie beispielsweise im Leichtbau lassen sich auch erst bei einer Neukonstruktion für die Fertigung mittels 3-D-Druck erreichen. Eine effiziente Einbindung des 3-D-Drucks in die Strategien der Ersatzteilversorgung ist für die meisten Unternehmen dadurch erst im Rahmen einer neuen Produktgeneration sinnvoll. Probleme in den Bereichen Produkthaftung, Datenschutz und Schutz geistigen Eigentums kommen noch dazu. Gemeinsam mit der stetig optimierten Eignung der Druckanlagen für industrielle Einsatzgebiete über 2025 hinaus sind breitere Einsatzszenarien denkbar. Weiterhin ergeben sich auch erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsmodell der Ersatzteillogistik, da durch Abgabe der Fertigung an dezentrale Stellen sich der Lizenzhandel mit digitalen Ersatzteilabbildern als neues Dienstleistungsfeld ergeben kann. Weiterhin wurden in einem zweiten Untersuchungsteil die Auswirkungen der einzelnen Themenfelder auf die Ersatzteillogistik auf gegenseitige Beeinflussung überprüft. Durch Gegenüberstellung von sechs Trendblöcken entstanden in einer Beeinflussungsmatrix insgesamt 15 verschiedene Paarungen.
 

Viel Potenzial

Hervorzuheben ist diesbezüglich die starke Wechselwirkung der Trends, die in Verbindung zur Digitalisierung, Big Data, Sensorik und der vierten industriellen Revolution stehen. Vor allem in Hinblick auf die Intralogistik können viele Potenziale und Innovationen durch die Nutzung von verschiedenen, systemgestützten Informationsquellen und Software erschlossen werden. Im Internet der Dinge agieren Logistikobjekte als sich dezentral steuernde Einheiten mit einer deutlich höheren Flexibilität als auf bestimmte fixe logistische Leistungen abgestimmte, heutige Automatisierungslösungen. Hier ergeben sich gute Einsatzbereiche gerade bei volatilen Ersatzteilbedarfen.

Cyber-physische-Systeme sind zugleich ein Beispiel für den zunehmenden Einsatz von Sensorik, wodurch im Maschinen- und Anlagenbau unter Einsatz prädiktiver Methoden Bedarfe an Ersatzteilen transparenter werden. Es profitiert der Kunde, der das Primärprodukt effizienter für sich nutzen kann.

Neben diesen Entwicklungen hat die Untersuchung der DHBW Mosbach auch die anderen oben genannten Aspekte vertieft ausgewertet. Diese können an dieser Stelle nicht weiter dargestellt werden. Insgesamt beleuchten die Ergebnisse damit neue Trends und Entwicklungen der Ersatzteillogistik bis 2025. Insbesondere die Felder mit Bezug zur Digitalisierung werden dabei stark prägend sein, hier bleibt aber auch noch ein hoher Forschungsbedarf. Die detaillierteren Untersuchungsergebnisse sind auf Anfrage unter www.dhbw-mosbach.de/wl verfügbar.

Autoren: Prof. Dr. Dietmar Polzin, DHBW Mosbach, Leiter Studiengang BWL Handel Warenwirtschaft und Logistik, und Philipp Krohn, Bachelor of Arts, BWL Handel Warenwirtschaft und Logistik, DHBW Mosbach. Foto: Miele

LOGISTIK-HEUTE-Forum besucht Miele in Gütersloh

Das LOGISTIK-HEUTE-Forum setzt die erfolgreiche Reihe Ersatzteillogistik fort. Am 29. und 30. November 2018 tagt das Forum in Gütersloh. Teilnehmer können mit renommierten Experten unter anderem von Schaeffler, Siemens, SchmitzCargobull und der Fraunhofer-Gesellschaft über die Trends in der Ersatzteillogistik diskutieren. Höhepunkt ist am zweiten Tag der Veranstaltung eine Führung durch das Miele-Ersatzteillager in Gütersloh. Anmeldung ist ab sofort möglich unter https://www.logistik-heute.de/Ersatzteil2018



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