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Transport: So wirken sich die Russland-Sanktionen aus

Experten aus dem Bereich Logistik geben ihre Einschätzung ab.

Die Europäische Union hatte im Juli Sanktionen gegen Russland verhängt. Darauf folgte im Gegenzug das russische Einfuhrverbot von Lebensmitteln aus der EU und Amerika (LOGISTIK HEUTE berichtete). Das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) hat einen möglichen Verlust auf den deutschen Außenhandel von rund 16,4 Milliarden Euro simuliert. Doch was bedeutet das konkret für den Bereich Logistik? LOGISTIK HEUTE hat Experten nach ihrer Einschätzung gefragt.

Für Prof. Dr. Thomas Wimmer, Vorsitzender der Geschäftsführung der Bundesvereinigung Logistik (BVL) in Bremen, halten sich die Auswirkungen bislang wegen der niedrigen Exportquote von drei Prozent in Grenzen. „Im Einzelnen gibt es jedoch Unternehmen, die bereits im großen Umfang betroffen sind: zum Beispiel spezialisierte Transportunternehmen für Lebensmittel aus Ostdeutschland“, erklärt Wimmer. Die Ankündigung der russischen Regierung, gegebenenfalls Durchfahrt- und Überflugverbote durchzusetzen, bereite größere Sorge. Hierbei könnten laut Wimmer die Versorgungsketten der Automobilindustrie von und nach China unterbrochen werden. „Das Risiko weiterer Sanktionen und der ungewisse Ausgang des Ukraine-Konfliktes stellen für das Gros der Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistung derzeit jedoch die größte und konkreteste Gefahr dar.“ Denn Investitionen und Geschäftsabschlüsse könnten zurückgestellt werden.

Das sieht auch Frank Rösch vom Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME), Frankfurt am Main, als Problem: „Alle Marktteilnehmer sind verunsichert, das wirkt sich unter anderem auf die Preise aus.“ Er befürchtet, dass die Krise die Beziehungen zu Russland langfristig beeinträchtigen könnte. „Der Westen ist von der Konsequenz des russischen Präsidenten Wladimir Putin überrascht worden“, sagt Rösch. Dennoch halte sich der Schock, insbesondere bei den Einkäufern, in Grenzen. Sie hätten spätestens seit der Krise in den Jahren 2007 und 2008 ihr Beschaffungsmanagement optimiert, um auf Störungen in der Lieferkette frühzeitig reagieren zu können.

Auch Frank Brandmaier von der Kion Group, Hersteller für Lagertechnik und Flurförderzeuge, schätzt die Auswirkungen der Sanktionen als eher gering ein: „Generell hat Russland am weltweiten Staplermarkt einen Anteil von weniger als zwei Prozent.“ Dieser Prozentsatz lasse sich auch auf die Neubestellungen bei der Kion Group übertragen. Viel wichtiger als der russische Absatzmarkt ist laut Brandmaier gerade der osteuropäische.


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(Foto: Matthias Pieringer)
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