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Flüchtlingskrise: Logistikwirtschaft sieht positives Potenzial

Dienstleister und Unternehmen wollen vermehrt Flüchtlinge einstellen.


Immer mehr Flüchtlinge aus Krisengebieten wie Syrien, Afghanistan oder Pakistan kommen nach Deutschland. Allein am vergangenen Wochenende überquerten fast 13.000 Menschen die Grenze zu Deutschland. Während Behörden und freiwillige Helfer sich um die reibungslose Unterbringung und Versorgung der Menschen kümmern, denken einige Logistikunternehmen-, -vereine und -verbände bereits weiter in die Zukunft. Sie sehen in den Asylbewerbern zukünftigen Nachwuchs für die Logistikwirtschaft, einen Bereich, dem es seit geraumer Zeit an Fachkräften mangelt. Nach einer Umfrage der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V., Bremen, haben rund 75 Prozent der in der Logistik tätigen Unternehmen Schwierigkeiten offene Stellen zu besetzen. Insbesondere Berufskraftfahrer werden gesucht. Hier waren 2013 bereits 44 Prozent der Fahrer mindestens 50 Jahre alt.

„Logistik geht voran“

Um Migranten schneller den Zugang zu Jobs, Praktika und Ausbildungsplätzen zu ermöglichen und sie mit suchenden Logistikdienstleister zusammenzubringen, hat die Deutsche Verkehrszeitung (DVZ), Hamburg, Anfang September die Initiative „Logistik geht voran“ gegründet. Über eine Onlineplattform können interessierte Unternehmen freie Stellen speziell für Flüchtlinge angeben, die dann an die entsprechenden Arbeitsagenturen und Vermittlungsstellen weitergegeben werden. Bisher beteiligen sich bereits etliche Logistikdienstleister und auch Verbände an der Aktion, bei der inzwischen mehr als 300 Stellen veröffentlicht wurden.

Fachkräftepotenzial heben

So auch der Deutsche Speditions- und Logistikverband e.V. (DSLV), Bonn, der sich nach eigenen Angaben auf diesem Wege für die unbürokratische Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt stark machen möchte. DSLV-Hauptgeschäftsführer Frank Huster sprach in einem öffentlichen Statement zur Beteiligung an der Aktion von einer Win-win-Situation, die für Deutschland positives Potenzial berge: „Auf der einen Seite sucht die international agierende Speditions- und Logistikbranche Fach- und Nachwuchskräfte. Auf der anderen Seite sind viele Menschen, die jetzt nach Deutschland kommen, qualifiziert und motiviert und hoffen auf Arbeit, Ausbildung oder Praktikumsplätze.“

Gebildet und qualifiziert

Eine Einschätzung, die Zahlen der Bundesagentur für Arbeit bestätigen. Beinahe die Hälfte aller bisher registrierten Flüchtlinge in Deutschland habe eine berufliche oder akademische Ausbildung. Hinzu kämen insbesondere viele junge Menschen, die noch auf der Suche nach einem passenden Beruf wären und für eine Tätigkeit im Bereich Logistik begeistert werden könnten.

Erste Unternehmen reagieren

Das sieht auch die Schnellecke Group AG & Co. KG aus Wolfsburg so. Wie das Unternehmen bekannt gab, möchte der Logistikdienstleister und Zulieferer für die Automobilindustrie Flüchtlinge für seine Betriebe in Deutschland und Europa einstellen. Nikolaus Külps, Vorstandsvorsitzender der Schnellecke Gruppe sagte dazu: „Wir sehen dies als Chance, einer der größten Herausforderungen am deutschen Arbeitsmarkt zu begegnen.“ Derzeit arbeite Schnellecke bereits intern an Konzepten zur Integration von Asylbewerbern in die eigenen Standorte und habe erste Gespräche mit Behörden und öffentlichen Stellen geplant.

Verfahren beschleunigen

Die Schnellecke Gruppe, wie auch viele andere Unternehmen, die auf Nachwuchskräfte hoffen, drängen nun auf eine weitere Vereinfachung der Gesetzgebung zur Einstellung von Flüchtlingen. Erst vor Kurzem hat die Bundesregierung die Frist, in der Asylbewerber keinen Job haben dürfen, verkürzt. Wer länger als drei Monate in Deutschland ist, darf nun Stellen in Anspruch nehmen, für die kein qualifizierter deutscher Arbeitssuchender oder EU-Bürger zur Verfügung steht.


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