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Schienengüterverkehr: Digitalisierung erst am Anfang

Experten beklagen mangelnde Innovation und schleppendes Tempo.


Die Digitalisierung steckt im Bereich Schienengüterverkehr noch in den Kinderschuhen, muss aber zügig vorangetrieben werden, um den Wirtschaftsbereich gegenüber der Straße wettbewerbsfähig zu gestalten. Zu diesem Schluss kam eine Expertenrunde anlässlich der Podiumsdiskussion „Güterbahnen 4.0. Digitalisierung im Schienengüterverkehr – Chance für die Logistik mit der Schiene?“, die am 11. Mai 2017 im Rahmen der Fachmesse transport logistic stattfand.

Vorteil für alle

Dabei könnte sich zunehmende Vernetzung sowie die Nutzung von Industrie 4.0-Technologien positiv auf den Bahngüterverkehr auswirken, wie Axel Schuppe, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Bahnindustrie E.V. (VDB), betonte: „Der technische Fortschritt könnte dem Schienengüterverkehr nicht nur zu mehr Produktivität und einer höheren Wirtschaftlichkeit verhelfen, sondern auch zu einer verbesserten Qualität. Zustandsabhängige Wartung und die Nachverfolgung von Frachten sind nur einige Beispiele dafür.“

Zu viel Perfektion

Allerdings sei der die Digitalisierung im Schienengüterverkehr noch nicht besonders weit vorangeschritten, erklärte Sven Wellbrock, Geschäftsführer der VTG Rail Europe GmbH, dem Publikum. Das liegt aus Sicht des Unternehmensvertreters nicht nur an mangelnden Investitionen im Wirtschaftsbereich, sondern auch an einem ausgeprägten Perfektionismus. „Im Bahnsektor neigt man dazu, Maßnahmen erst umzusetzen, wenn ihre Wirksamkeit zu einhundert Prozent bewiesen ist. Im digitalen Zeitalter sind Innovationen an diesem Punkt aber bereits lange überholt. Dem Industriezweig würde es daher guttun, Dinge einfach mal auszuprobieren, anstatt sie zu zerreden.“ Das sei auch der Grund, weshalb VTG sich bei der Suche nach einer geeigneten digitalen Box zur Vernetzung der hauseigenen Waggonflotte auf die Kriterien bezahlbar und marktreif konzentriert habe. „Wir wollen die Digitalisierung der Schiene zum Rückgrat intelligenter und nachhaltiger Logistik machen. Auch, um den Abstand zum Verkehrsträger Lkw zu verringern. Dafür müssen wir allerdings zukünftig ein anderes Tempo vorlegen“, so Wellbrock.

Software und Hardware im Einklang

Digitale Technologie müsse die Hardware eines Zuges so beeinflussen, dass sich ein Mehrwert für die Betreiber ergibt, sagte Jens Erik Galdiks, Flottenleiter bei den Schweizerischen Bundesbahnen. „Der Güterwagen der Zukunft wird sich von den heutigen Exemplaren deutlich unterscheiden und vor allem auf der intelligenten Nutzung von Daten basieren“, erläuterte Galdiks. Im Mittelpunkt stehen aus Sicht des Experten in Zukunft vor allem Aspekte wie die intelligente Bremsprobe und der Ein-Mann-Betrieb ganzer Züge. Um passende Anwendungen zu entwickeln müssten allerdings zunächst große Datenmengen gesammelt und entsprechend ausgewertet werden – etwa hinsichtlich der Frage wann und wie oft gebremst wird.

Mehr Kooperation

Nicht nur Technologie, sondern auch politische Anforderungen stehen für Axel Plaß, Vorsitzender des Fachausschusses Schienengüterverkehr des Deutschen Speditions- und Logistikverbands e.V. (DSLV), im Vordergrund der Diskussion. „Hohe Transportpreise, überaltertes Rollmaterial und fehlende Innovationen machen die Schiene für Spediteure eher unattraktiv. Daran müssen sowohl die Vertreter der Güterbahnen als auch die Politik etwas ändern“, sagte der Plaß anlässlich der Veranstaltung. Um in Konkurrenz zur Straße wettbewerbsfähiger zu werden, rät der Experte insbesondere zu Kooperation. „Die Zusammenarbeit zwischen den Eisenbahnverkehrsunternehmen und den Speditionen muss sich dringend verbessern. Statt eine Konkurrenzsituation zu schaffen, indem die Schiene ähnliche Produkte anbietet, wie die Speditionen, sollten alle Beteiligten überlegen, wie man Innovationen im Bahnverkehr implementiert und gemeinsam die Digitalisierung der Prozesskettenvorantreibt.“


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