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Handel: War Schlecker-Logistik überteuert?

Experte behauptet, die Drogeriekette hätte binnen drei Jahren bis zu 38,7 Millionen Euro sparen können.


Nach Angaben von Prof. Dr. Dirk Lohre, Leiter des Steinbeis-Beratungszentrums Forlogistic in Flein, hat der ehemalige Drogeriemarkt-Mogul Anton Schlecker über mehrere Jahre lang zu viel Geld für logistische Services hingeblättert. Das berichtet die Schwäbische Zeitung in ihrer Online-Ausgabe vom 7. August. Lohre, der auch an der Hochschule Heilbronn lehrt, hat im Schlecker-Prozess im Auftrag der Staatsanwaltschaft Stuttgart ein Gutachten in Sachen Logistik erstellt und insbesondere die insolvente Logistik- und Dienstleistungsgesellschaft (LDG), die Schleckers Kindern Meike und Lars gehört hatte, unter die Lupe genommen. Die LDG hatte Schlecker als einzigen Kunden.

Umsatzrendite von 40 Prozent

Laut der Tageszeitung sollte Lohre unter anderem herausfinden, welche Stundenpauschale Schlecker anderen Logistikdienstleistern im Zeitraum 2009 bis 2011 hätte bezahlen müssen, wenn nicht die LDG die Aufträge erledigt hätte. Lohre sagte dem Blatt zufolge vor Gericht, dass die Überprüfung eine Herausforderung gewesen sei, weil Stundenpauschalen eine unübliche Vergütungsart seien. Die Regel seien Zahlungen, die von der Qualität der Leistung oder anderen Faktoren abhingen. Dem Wissenschaftler zufolge sei im untersuchten Zeitraum ein Stundesatz von 17,30 bis 18,90 Euro marktüblich gewesen. Wenn Schlecker einen anderen Logistiker beauftragt hätte, hätte er in den drei Jahren vor der Insolvenz zwischen 33,5 und 38,7 Millionen Euro sparen können, lautete Lohres Resümee. Die Umsatzrendite der LDG habe rund 40 Prozent betragen – zehnmal mehr als in dem Wirtschaftsbereich üblich, betonte der Wissenschaftler laut der Zeitung. Die Staatsanwaltschaft behauptete, auf diese Weise sollen allein 16 Millionen Euro dem Zugriff der Gläubiger entzogen worden sein.

Schlecker-Anwalt kritisiert Wissenschaftler

Nach Angaben der Schwäbischen Zeitung kritisierte Anton Schleckers Anwalt Norbert Scharf die Analyse des Wissenschaftler Lohre. Er zitierte den Insolvenzverwalter, der im Prozess ausgesagt habe, dass die LDG so auf ihren einzigen Auftraggeber Schlecker ausgerichtet gewesen sei, dass die Services wohl keine anderen Logistikdienstleister hätte übernehmen können. Scharf stellte laut dem Zeitungsbericht die Berechnungen aus dem Gutachten insgesamt infrage. Der Anwalt habe zu dem Logistikexperten Lohre vor Gericht gesagt, dass ihm wesentliche Informationen gefehlt hätten, um die Schlecker-Logistik von 2009 bis 2011 zu identifizieren. Lohre hatte vergeblich versucht, an Unterlagen zu Art und Umfang der LDG-Dienstleistungen zu kommen, schreibt das Blatt.

Geschäftsführer forderten Veränderungen

Hintergrund: In den hohen Preisen für Logistikdienstleistungen sieht die Staatsanwaltschaft Stuttgart seit Längerem einen Beweis dafür, dass Anton Schlecker Millionen Euro aus seiner Firma schaffte und mithilfe der überhöhten Preise über die LDG vor der Insolvenz auf die Seite geschafft hat. Im Laufe des Prozesses berichteten bereits zwei Geschäftsführer über Wucherpreise, die die LDG von ihrem einzigen Kunden Schlecker verlangt hatte. Die beiden Manager hatten die LDG-Stundensätze zwischen 28,50 und 30 Euro für zu hoch gehalten und die Familie gebeten, das zu ändern. Passiert war aber nichts. Die beiden Geschäftsführer hielten Stundensätze von 14 bis 15 Euro für realistisch.


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