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Schienengüterverkehr: Von der Straße auf die Schiene

IHK-Konferenz diskutiert Schienenanbindung des Bayerischen Chemiedreiecks./ Mit Bildergalerie


Das Bayerische Chemiedreieck im Südosten Bayerns gehört zu einem der größten Wirtschaftstreiber der Region. Mit 20 Unternehmen und rund 20.000 Beschäftigten werden hier mehr als zehn Milliarden Euro Umsatz im Jahr erwirtschaftet. Wie die passende Schieneninfrastruktur für das damit verbundene wachsende Verladevolumen aussehen könnte, war Kernthema der IHK-Konferenz Schienenverkehr, die von der Industrie- und Handelskammer München und Oberbayern am 6. November in Burghausen veranstaltet wurde.

Infrastruktur und Verladekonzepte

In zwei Themenblöcken diskutierten sechs Referenten mit den rund 90 Teilnehmern, wie eine leistungsfähige Schieneninfrastruktur für die Wirtschaftsregion aufgebaut werden kann, welche Argumente für die Technologieachse Süd sprechen und wie die Weiterentwicklung des Masterplans Schiene für das Bayerische Chemiedreieck voranschreitet. Darüber hinaus stellten die Redner innovative Verladekonzepte für den Kombinierten Verkehr vor.

Zeitnaher Ausbau erforderlich

Aus Sicht von Georg Häckel, Sprecher der Initiative ChemDelta Bavaria, ist die hohe Nachfrage nach Containertransportkapazitäten nur durch eine weitere Verlagerung von Fracht auf die Schiene zu bewältigen. Das 2015 in Betrieb genommene Kombi-Terminal am Standort Burghausen sei ein erster Schritt dazu, wie der Experte betonte. Der Containertransport auf der Schiene beginne nun bereits in Burghausen, statt wie zuvor in München Riem. Hier seien derzeit 42.000 Hübe pro Jahr möglich, mit Erreichen der geplanten zweiten Ausbaustufe sollen 72.000 Hübe jährlich durchführt werden. Um die bis 2022 von ChemDelta prognostizierten 5,60 Millionen Tonnen Güter auf die Schiene zu bringen, sei aber auch der im Bundesverkehrswegeplan verankerte Ausbau der Strecke München-Mühldorf-Freilassing unabdingbar, so Häckl. „Die Unternehmen im Bayerischen Chemiedreieck können ihre Leistungsfähigkeit nur beibehalten, wenn eine uneingeschränkt belastbare Bahnverbindung in der Region vorhanden ist. Mit Lkw und dem jetzigen Schienenangebot, wird das nicht machbar sein.“ Allerdings, so der ChemDelta-Sprecher, ist hier Geduld gefragt. Mit einer Fertigstellung der Strecke nach Freilassung sei trotz hoher Priorität frühestens 2030 zu rechnen. „Ein weiterer Grund, warum es beim Ausbau keine Verzögerungen geben darf“, ergänzte Häckl.

Technologieachse stärken

Der erfolgskritische Faktor Schiene ist indes nicht allein für die Region Oberbayern relevant, wie Tobias Koch, Principal der Stuttgarter Prognos AG, erläuterte. Die gesamte Technologieachse Süd, also der Wirtschaftsraum vom Oberrhein bis Oberbayern, ist aus Sicht des Ingenieurs vor allem von einer gut funktionierenden Bahninfrastruktur abhängig. Koch, der die im Auftrag der IHKs Schwaben, München, Karlsruhe und Ulm bereits eine umfangreiche Studie zur Technologieachse Süd durchgeführt hat, plädierte in seinem Vortrag deshalb für einen weiteren zeitnahen Ausbau des Streckenabschnitts Karlsruhe-Stuttgart-Ulm-München-Freilassing als wichtigste West-Ost-Schienenachse der Republik. Nur so könne die Wirtschaftsregion, die über eine hohe Dichte an technologie- und exportorientierten Industriestandorten verfügt, weiterhin zuverlässig mit Rohstoffen und Vorprodukten beliefert werden, beziehungsweise produzierte Waren weiterzubewegen. Darüber hinaus die Strecke durch Süddeutschland als Teil des transeuropäischen Kernnetzkorridors „Rhein-Donau“ ein wichtiges Bindeglied für den grenzüberschreitenden Güterverkehr.

Ausweichrouten schaffen

Zusätzlich könne ein Ausbau der West-Ost-Schienenachse dabei helfen, massive Einschränkungen, wie die Sperrung der Rheintalbahn im Sommer und Herbst 2017, abzufangen, ergänzte Dieter Baierle, Leiter Vertrieb Logistik Chemie bei DB Cargo. Das Unternehmen rechnet vor allem durch den monatelangen Ausfall der Strecke zwischen Karlsruhe und Basel für 2017 mit einem schlechteren Geschäftsergebnis. „Die Ereignisse dieses Jahres haben gezeigt, wie schnell wir auf der Schiene an unsere Grenzen kommen, wenn etwas Unvorhergesehenes passiert. Gerade deshalb wird es nicht ausreichen, nur Strecken auszubauen. Wir müssen auch geeignetes Personal anwerben und den hauseigenen Nachwuchs fördern. Denn ohne Lokführer fährt selbst bei entsprechender Strecke kein Zug.“

Was auf der IHK-Konferenz Schiene noch geboten war, sehen Sie in unserer Bildergalerie: https://www.logistik-heute.de/Fotogalerie/17541/IHK-Konferenz-Schiene-Infrastruktur-und-Hubkonzepte-im-Fokus


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