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Moderne Mobilität braucht intelligente Städte

Vision Mobility Think Tank diskutierte Herausforderungen der Urban Mobility.


Bei den VISION mobility Think Tanks ging es um je einen spannenden Überbegriff, der von je drei Vortragenden unterschiedlicher Branchen beleuchtet und diskutiert wurde. In der dritten Talkrunde ging es um die Themen Urban Mobility und Smart City. Es diskutierten dabei Prof. Dr. Uwe Clausen, Institutsleiter am Fraunhofer IML und an der TU Dortmund, Horst Manner-Romberg, Geschäftsführer der MRU GmbH, und Dr. Harald Hempel, Leiter Innovation und Forschung der Dako GmbH.

Problemen begegnen

Dabei zeigte Professor Clausen die Einflussfaktoren, die auf die letzte Meile wirken und verdeutlichte noch mal, warum der Ruf nach der Dekarbonisierung immer lauter wird: Denn rund 20 Prozent der Kohlendioxidemissionen stammen aus dem Verkehr. Außerdem befinden sich 40 Prozent der anthropogenen CO2-Emissionen, die seit 1750 emittiert wurden, noch in der Erdatmosphäre. Gleichzeitig hätten sich aber Digitalisierung und künstliche Intelligenz so weiterentwickelt, dass man diesen Problemen begegnen könne. Teils mit Apps wie der Reiseapp RadAR+, bei der einem der Mobiltätsagent bei Verspätungen automatisch Weiterreisemöglichkeiten vorschlägt.

Treiber E-Commerce

Dass der Verkehr immer mehr wird, steht auch für Horst Manner-Romberg außer Zweifel: Allein im Raum Hamburg stiege die Personenbeförderung bis 2020 um weitere zehn, die Sendungsbeförderung um weitere 38 Prozent an. Als Treiber sieht er vor allem E-Commerce, welcher die Verkehre entgegen den Erwartungen eben nicht reduziere. Ähnliches gelte für das Car-Sharing, denn: Viele Kunden würden diese Dienste als „Add-on“ sehen, testen und nutzen, sprich: Sie bestellen online, fahren aber trotzdem zum Shoppen in die Stadt. Oder leihen probeweise ein Auto, geben den eigenen Wagen aber nicht ab. Entsprechend sei der Switch zur Sharing-Gesellschaft noch lange nicht vollzogen. Entsprechend fordert er eine „Multilayer-Technologie“, die alle Verkehrsmittel einbindet und eine dynamische Routenoptimierung in Echtzeit ermöglichen soll, ein System, das übrigens auch auf Kleinstädte übertragbar sei.

Strecken optimieren

Wie so etwas konkret aussehen könnte, demonstrierte Harald Hempel von Dako, der die softwareoptimierte Belieferung von Apotheken in Berlin als Beispiel heranzog. Dabei seien die einstigen Transportwege historisch und im heutigen Verkehrschaos wohl auch „hysterisch“ entstanden. Durch geschickte Optimierung konnten zwei von sieben Fahrzeugen eingespart werden und die Streckenlänge um ein knappes Viertel reduziert werden. Die längste Tour wuchs so zwar von 241 auf 292 Kilometer, aber schon die zweitlängste Tour schrumpfte von 127 auf 124 Kilometer – einer Länge, die sich auch heute schon leicht elektrisch bewältigen ließe. Für die Medienlogistik im Zustellgeschäft ersetzte er einen Pkw durch ein elektrisches Quad, bei dem man allein durch das Ein- und Aussteigen rund acht Minuten pro Tag einsparen könne. Von der Reduktion bei Energieaufwand und Verkehrsfläche ganz zu schweigen. Außerdem forderte Hempel generell zu überlegen, welche Bedürfnisse denn überhaupt echte Bedürfnisse seien: Denn schnell, billig und schön, das ginge nun mal nicht alles zusammen.

Verzicht als Option

Womit die Diskussion schon voll im Gange war: Denn allein mit der Elektrifizierung sei das Verkehrsaufkommen nicht zu bändigen, erklärte daraufhin Manner-Romberg, während Clausen die von Hempel geforderten Einschränkungen so nicht hinnehmen wollte, denn: Wir leben fast im Jahr 2020 und hätten mittlerweile intelligente Möglichkeiten, die Ansprüche und Herausforderungen zu meistern. Wobei Hempel seinen Mitdiskutanten hier zustimmte, aber trotzdem anregte, an der ein oder anderen Stelle vielleicht doch auch mal über einen kleinen Verzicht nachzudenken.

Intelligente Städte notwendig

So lange wir die neuen Möglichkeiten der digitalen Gesellschaft nur als „Zusatzangebot“ oder Option wahrnehmen, werden die Verkehre nicht weniger werden. Und wenn unsere Städte dabei nicht wesentlich intelligenter werden, dürfte es mit der „Urban Mobility“ bald ziemlich vorbei sein. Nichtsdestotrotz. Die Werkzeuge stehen bereit respektive werden entwickelt, jetzt müssen sie nur genutzt werden und alte Zöpfe abschneiden: Denn so lange sie als Zusatzoption gesehen werden, tragen sie nicht zur Veränderung der Grundsituation bei. (gs/sln)


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