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Seilbahnen: Potenziale zur Verkehrsentlastung

Logistikexperte kritisiert, dass sich Behörden viel zu wenig mit dem Verkehrsträger beschäftigen.


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Pendeln zum Arbeitsplatz, Transport von Lebensmitteleinkäufen, Beförderung kleiner Pakete: Urbane Seilbahnsysteme könnten künftig in vielen Großstädten den zunehmenden Straßenverkehr entlasten, doch mangelt es Politikern und Stadtverwaltungen oft an Wissen über den Verkehrsträger. Das betonte der Wiener Logistikexperte Prof. Dr. Sebastian Kummer in einem Interview mit LOGISTIK HEUTE. Dazu kommt aus seiner Sicht ein weiteres Problem: „ÖPNV-Betriebe wollen sich auch gar nicht mit einem neuen Verkehrsträger auseinandersetzen“, so der Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien.

Schnelle Bauzeit

Kummer hat sich wissenschaftlich mit mehreren urbanen Seilbahnnetzen, beispielsweise mit den Linien in La Paz (Bolivien), beschäftigt und dabei diverse Vorteile herausgearbeitet. Geringe Kosten, hohe Zuverlässigkeit, schnelle Bauzeit und die einfache Überwindung von Hindernissen wie etwa Flüssen seien die größten Pluspunkte des Verkehrsträgers. Zudem sind die Bahnen laut Kummer nachhaltig, weil für den Bau von Stützen und Stationen in bestehenden Metropolen relativ wenig Platz benötigt wird. Der Wahl-Wiener bedauert in diesem Zusammenhang, dass die Akzeptanz von Seilbahnen in der Bevölkerung leider nicht besonders groß sei – weil durch die Kabinenfenster private Grundstücke entlang der Seilbahn eingesehen werden können. „Zudem glauben auch viele Menschen, dass Seilbahnen unsicher sind. Das ist aber falsch. Sie sind viel sicherer als beispielsweise Busse oder Straßenbahnen.“

Für Pakettransport nur bedingt geeignet

In Seilbahnen können nicht nur Menschen, sondern auch kleinere Güter befördert werden. Für den Transport von Paketen angesichts weiter steigender E-Commerce-Umsätze sieht Kummer Seilbahnen indes nur „bedingt“ geeignet. Die kritischen Punkte hierbei seien die Leistungsfähigkeit der Anlage sowie die Rentabilität. Gleichwohl kann er sich urbane Gegebenheiten vorstellen, in denen die Integration von Lieferservices und Pakettransporten in ein Seilbahnsystem Sinn macht.

Neun Seilbahnlinien geplant

Ein Beispiel, wie ein Seilbahnsystem den Verkehr in einer von Staus geprägten Großstadt entlasten kann, findet sich in der April-Ausgabe von LOGISTIK HEUTE, die am 13. April erschienen ist. In der bolivianischen Metropole La Paz entsteht derzeit das größte urbane Seilbahnnetz der Welt. Bis 2019 werden dort vom Hersteller Doppelmayr aus Vorarlberg insgesamt neun Seilbahnen mit einer Gesamtlänge von mehr als 30 Kilometern errichtet. Mehr als 1.400 Gondeln sollen dort einmal eingesetzt werden. Jede Linie soll auf eine Förderleistung von 3.000 Personen pro Stunde und Richtung kommen. Wie die bisher errichteten Linien von der Bevölkerung angenommen werden, wie die Wartung der Bahnen möglichst kostengünstig und reibungslos abläuft und wie Boliviens Präsident Evo Morales das Projekt politisch für sich nutzt, lesen Sie in der exklusiven LOGISTIK HEUTE-Reportage aus La Paz.


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